Der Aaseher Sommer 2010

Der Aaseher Sommer 2010 - Ausgewählte Beiträge



Geistschule vor dem Aus?
Zu wenige Anmeldungen

Kein Funkmast in der Aaseestadt
Bürgerinitiative

Jeder kann hier etwas lernen
Integrativer Rollstuhlsport ist vielseitig



Zu wenige Anmeldungen

Geistschule vor dem Aus?


Zum Stichtag lagen der der Geistschule nur acht Anmeldungen für die Eingangsklasse des Schuljahrs 2010/2011 vor. Viel zu wenig. Was dies für die Zukunft der Schule bedeutet, an der nachweislich gute Arbeit geleistet wird, erläutert deren Leiter Karl-Heinz Neubert im Gespräch mit der Aaseher-Redaktion.

Ende März liegen mittlerweile vierzehn Anmeldungen für die fünfte Klasse vor. 18 müssen es sein, um eine Eingangsklasse bilden zu können. „Ich bin aber jetzt ganz guter Dinge, dass wir diese Zahl noch erreichen werden,“ äußert sich Neubert. Die Erfahrung zeige, dass durchaus noch mehr Anmeldungen nachträglich eingehen könnten. Zudem könnten Schüler aus den Sprachförderklassen und dem Prognoseunterricht dazu stoßen.

Es fehlen nur noch vier Anmeldungen. Das lässt Neuberts Optimismus begründet erscheinen. Doch was passiert, wenn die notwendige Zahl von 18 Schülern doch nicht erreicht wird und keine Eingangsklasse gebildet werden kann? „Dieser Fall ist gesetzlich nicht vorgesehen, aber wenn in zwei aufeinander folgenden Jahren keine Eingangsklasse gebildet werden kann, dann wird eine Schulschließung verfügt. Die Schule läuft dann aus,“ schildert Neubert das Szenario. Aber vor dem neuen Schuljahr ist ihm nicht bange. Für die Klassen fünf und sechs gibt es nämlich die Möglichkeit des jahrgangsübergreifenden Unterrichts. Sein Lehrerkollegium werde dies im Fall des Falles mittragen und sei so flexibel, die notwendigen konzeptionellen Umstellungen auch kurzfristig zu bewältigen, ist sich der Schulleiter sicher.
Darüber hinaus werden an der Geistschule Ideen entwickelt und diskutiert, um die Schule für die Zukunft zu rüsten. Denn ein Anstieg der Anmeldungen in den kommenden Jahren zeichnet sich nicht ab. Eine Überlegung geht dahin, möglicherweise Bündnispartner der integrativen Grundschule Berg Fidel zu werden. Deren Leiter, Herr Stähling, hat das Konzept „Schule 1 bis 13“ entwickelt. Danach besuchen alle Schüler von der ersten bis zur letzten Klasse eine Schule. „Das Gesetz sieht diesen Typ zwar nicht vor, aber mit einem Antrag an die Schulentwicklungskonferenz kann dieses Hindernis überwunden werden,“ sagt Neubert. Die Aktivitäten und Ideen des Kollegen Stähling interessieren ihn und in der „Schule 1 bis 13“ sieht er durchaus auch eine Alternative zum G8-Abitur.

Vom Problem geringer Anmeldezahlen sind fast alle Hauptschulen betroffen, so dass es landesweit Bestandsprobleme gibt. Der demographische Wandel ist sicherlich ein Grund. Viel schwerer wiegt aber wohl der schlechte Ruf, den der Schultypus in der Gesellschaft hat. Wer die Hauptschule besucht, gilt schnell als Verlierer. „Die Schüler erfahren das jeden Tag,“ weiß Neubert. Die Eltern wollen zu Recht die beste Bildung für ihr Kind und die gibt es nach Meinung vieler unabhängig von der Leistungsfähigkeit der Kinder am Gymnasium. Von den Grundschulen werden nur wenige Hauptschulempfehlungen ausgesprochen. Liegt dies am Wettbewerb, dem auch die Grundschulen ausgesetzt sind?

Dass an den Hauptschulen hervorragende Arbeit geleistet wird, davon ist Neubert überzeugt. Speziell für die Geistschule wird diese Einschätzung durch Erfolge und Auszeichnungen belegt. So erhielt die Schule beim Bürgerpreis zum Thema Integration der Stiftung Bürger für Münster den Jugendpreis in Silber. Ausgezeichnet wurde das bereits seit zehn Jahren von Schülern, Eltern und Lehrern unter Leitung der Islamkundelehrerin Frau Inan durchgeführte Projekt des gemeinsamen Fastenbrechens. Den Mathewettbewerb der Erprobungsstufe der Hauptschulen in Münster gewann die Geistschule im März und vertritt die Westfalenmetropole nun im Regierungsbezirk. Und auch von Technik versteht man etwas an der Grevingstraße. So konnte letztes Jahr ein landesweit ausgeschriebener Roboterwettbewerb gewonnen werden. In diesem Jahr gilt es, sich in Magdeburg gegen die anderen Landessieger durchzusetzen. Dem Bundessieger winkt die Teilnahme an einem internationalen Roboterwettstreit in Singapur.

Und auch musikalisch Interessierten wird viel geboten. So zum Beispiel das Projekt „Rockkids“, das in Kooperation mit der Westfälischen Schule für Musik durchgeführt wird. Jeweils 18 Schüler der Klassen 5 und 6 erhalten intensiven Unterricht an den wichtigsten Instrumenten, die von Bands genutzt werden. Zum Abschluss gibt es ein großes Rockfestival. Stundenlang könnte Neubert begeistert über die vielen interessanten Projekte plaudern, die an seiner Schule angeboten werden und die allesamt auf außerordentliches Engagement von Schülern und Lehrern schließen lassen. Schnell gewinnt man den Eindruck, dass der, der pauschal schlecht über die Hauptschulen allgemein und die Geistschule besonders redet, sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt hat.

Und was wären die wichtigsten Argumente von Karl-Heinz Neubert in einem Plädoyer für die Geistschule? „Die angenehme Atmosphäre des Miteinanders zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, die Offenheit,“ schwärmt er und fährt fort: „An der Geistschule treffen sich Menschen mit 50 verschiedenen Nationalitäten. Da kann jeder etwas von jedem lernen.“ Und nicht zuletzt sei die Qualität des Unterrichts zu nennen, auf die das Kollegium sehr großen Wert lege. Belegt wird dies durch eine Zahl: Nach diesem Schuljahr werden acht Schüler der Jahrgangsstufe 10 Typ B an ein Gymnasium wechseln.
Björn Wagner

Bürgerinitiative

Kein Funkmast in der Aaseestadt


Bundesweit wird zur Zeit ein neues digitales Funksystem für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste aufgebaut. In Nordrhein-Westfalen werden dafür insgesamt über 400 Richtfunkstationen benötigt. Der Standort Münster spielt in diesem System eine besondere Rolle. Hier ist eine von fünf Schaltzentralen in Nordrhein-Westfalen geplant, ein 50 m hoher Funkturm soll dafür errichtet werden. Gegen eine mögliche Realisierung des Vorhabens in der Aaseestadt setzt sich eine Bürgerinitiative ein.

Das „Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste“ (LZPD) ist in NRW dafür zuständig, die technischen Voraussetzungen für das digitale Funksystem zu schaffen. Und das LZPD beabsichtigt, den Funkturm und die Schaltzentrale auf dem Gelände der Landespolizeischule in der Aaseestadt zu errichten.
Viele Anwohner/innen aus unserem Stadtviertel sind damit überhaupt nicht einverstanden. Einige von ihnen haben die „Initiative gegen einen Funkturm in der Aaseestadt“ gegründet und bereits verschiedene Aktivitäten gegen den Funkturm unternommen.

Unser Viertel würde durch den Bau des Funkmastes verschandelt!
Ein 50 m hoher Funkturm ist etwa fünf Mal so hoch wie ein Einfamilienhaus und damit fast so hoch wie die Kirchtürme des Münsteraner Doms! Er wäre weithin sichtbar, auch in der vom Aasee aus sichtbaren Stadtkulisse und für die über die Weseler Straße nach Münster herein fahrenden Gäste wäre er als erster Eindruck optisch dominant.
So ein technisches Bauwerk gehört nach übereinstimmender Meinung der Anwohner/innen und der Stadtverwaltung nicht mitten in ein Wohngebiet wie die Aaseestadt oder das angrenzende Geistviertel. Standortalternativen wären z.B. in Gewerbegebieten mit bereits vorhandener höherer Bebauung denkbar.

Wissenschaftliche Studien über die Strahlungsauswirkungen sind noch nicht abgeschlossen!
Viele Menschen sind außerdem beunruhigt über mögliche Auswirkungen der vom Funkmast ausgehenden Strahlung. Es handelt sich hierbei um eine andere Qualität von Strahlung als für unsere „normalen“ Mobiltelefone. Wissenschaftliche Studien, um die Auswirkungen dieser Strahlung auf den Menschen zu untersuchen, laufen zur Zeit noch im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz und der Bundesanstalt für den Digitalfunk. Erste Ergebnisse sollen in erst 1,5 Jahren vorliegen, bis 2013 soll unter anderem an Polizeibeamten getestet werden, ob die Digitalfunkgeräte das Gedächtnis oder „audiovisuelle Fähigkeiten“ beeinträchtigen können (Welt online 25.02.2010).
Den Funkmast unter diesen Voraussetzungen mitten in einem Wohngebiet zu errichten - mit drei Schulen und mehreren Kindertageseinrichtungen sowie einer Sportanlage, auf der auch viele Kinder und Jugendliche trainieren - halten wir für unverantwortlich!

Wer entscheidet über den Bau des Funkmastes?
Doch hat bei diesem Bauwerk die Stadt Münster leider nicht das letzte Wort. Übergeordnete Behörden können sich bei dem bundesweiten Vorhaben für den digitalen Polizeifunk über die Stellungnahme der Stadt hinwegsetzen und trotzdem eine Genehmigung erteilen! Kriterien für die Auswahl der Funkmast-Standorte sind nach Auskunft der Pressestelle des Innenministeriums NRW „Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und technische Eignung“ (WN 2.3.2010) - Städtebauliche Gesichtspunkte und die Interessen der Anwohner/innen spielen offensichtlich keine Rolle! Das ist empörend!

Über 1.000 Unterschriften gegen den Funkturm
Die „Initiative gegen einen Funkmast in der Aaseestadt“ hat mit den Münsteraner Ratsparteien und der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Bei einer öffentlichen Veranstaltung im Jakobus-Gemeindehaus am 8. März 2010 informierten sich etwa 150 Anwohner/innen über den aktuellen Stand des Verfahrens. Die hier anwesenden Vertreter/innen verschiedener Parteien aus dem Rat und dem Landtag lehnten den Standort in der Aaseestadt ebenfalls ab. CDU, Grüne, Linke und SPD haben mitgeteilt, dass sie auch in den politischen Gremien auf Landes- bzw. Bundesebene in dieser Sache aktiv geworden sind.

Über 1.000 Bürger/innen haben inzwischen mit ihrer Unterschrift gegen den Funkmast-Standort in der Aaseestadt protestiert. Die Unterschriftenlisten werden Anfang April dem Oberbürgermeister Markus Lewe übergeben.
Die Vertretern/innen aus Verwaltung und Politik werden aufgefordert, sich nicht nur mit wahlkampfwirksamen Worten, sondern mit konkreten Taten und der Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Instrumente und Beziehungen für einen verträglicheren alternativen Funkmast-Standort in Münster einzusetzen!

Initiative gegen einen Funkmast in der Aaseestadt

Kontakt:
Angela und Heribert Lattekamp,
Tel. 754556
Willy Helming und Ulrike Penselin,
Tel. 796715


Integrativer Rollstuhlsport ist vielseitig

Jeder kann hier etwas lernen


Rollstuhlfahren ist doch einfach, denkt man sich. Doch was tun, wenn man schnell ausweichen muss, oder wenn ein Bordstein oder eine Treppe im Weg ist? Und wie fange ich gleichzeitig einen Ball oder führe einen Badmintonschläger? Probiert es mal in unserer integrativen Rollstuhlsportgruppe aus.

Die in unserem Verein neu hinzugewonnene integrative Rollstuhlsportgruppe ist fleißig bei der Arbeit. Jeden Dienstagnachmittag in der Zeit von 15.00 Uhr bis 17.30 Uhr werden den Kindern in der Sporthalle der Regenbogenschule in Münster-Kinderhaus Tipps und Tricks gezeigt wie sie alltägliche Hindernisse (wie z.B. zu hohe Bordsteinkanten) ohne Angst überwinden können. Dazu müssen sie auch lernen wie es ist wenn sie mit ihrem Rolli umkippen. So manch einem der vorher noch so cool war, wird dann ganz anders zu mute. Auch den Floorball-Damen von Blau-Weiß Aasee, die sehr interessiert eine Stippvisite absolvierten, wurde ziemlich mulmig. Recht schnell erkannten sie, dass Rollstuhlfahren einfacher aussieht als es tatsächlich ist und mit welchen Handicaps tagtäglich umgegangen werden muss. Ein abschließendes Rollstuhlbasketballspiel war für alle Beteiligten ein besonderer Genuss, weil selten so viele Personen bei einem Training sind. Die Kinder der integrativen Rollstuhlsportgruppe fanden den Besuch der Damen total super und wünschen sich, dass noch mehr interessierte Blau-Weiß-Aasee-Mitglieder am Training teilnehmen und ihre Sportart vorstellen.
Veronika Frye