Der Aaseher Dezember 1998
Der Aaseher Dezember 1998 - Ausgewählte Beiträge




Ganzheitliche Erziehung als Grundlage
  Sportpädagogik

Lieber ein Selbsttor als kein Tor
  Sàtira Real eines spanischen Deutschlehrers




Sportpädagogik

Ganzheitliche Erziehung als Grundlage

Sabine Heinatz, angehende Lehrerin für Sport und Latein (das 1. Staatsexamen schon in der Tasche), stellv. Kassenwartin und Abteilungsleiterin für Turnen und Gymnastik, erläutert das Konzept der ganzheitlichen Bewegungserziehung.

Ganzheitlich heißt für den Verein einerseits ein vielfältiges Freizeitprogramm auch außersportlicher Aktivitäten anzubieten, die den musisch-künstlerischen Bereich genauso umfassen wie den darstellerischen und sprachlichen Bereich. Aber auch in den sportlich orientierten Kursen versucht der Verein, zunächst ganzheitliche Bewegungserfahrungen zu vermitteln.
Wie in der Psychomotorik werden Materialerfahrungen geboten (z.B. mit Tüchern, Ballons, verschiedenen Bällen, mit Geräten als Hindernissen, Alltagsmaterialien), aber auch Ich-Erfahrungen (Umgang mit dem eigenen Körper und seiner Belastbarkeit; wie groß bin ich? was kann ich? was traue ich mich? wie schnell kann ich eigentlich laufen?) und schließlich und besonders Sozial-Erfahrungen (der Umgang mit anderen Kindern: wie sage ich, was ich will? wie schließen wir Kompromisse und Regeln?)

Im Vorschulalter viel Raum für Spiel

heitlichen Bewegungserziehung, die sich aus Sporterziehung und Motopädagogik/Psychomotorik zusammensetzt. Entwicklungsförderung im sportmotorischen Sinne will, wie oben beschreiben, verschiedenste Bewegungserfahrungen vermitteln. In psychomotorischem Sinne will sie Erfahrungen vermitteln, die das Selbstbewußtsein der Kinder stärken, die die Entscheidungsfähigkeit und den Entscheidungswillen fordern und insofern sowohl Selbstkompetenz als auch Sozialkompetenz der Kinder unterstützen.

Didaktisch-methodische Prinzipien sind demzufolge:
• Entwicklungsgemäßheit der Aufgaben
• Individualisierung und Differenzierung
• Selbsttätigkeit anregen
• Vielfältigkeit bieten

Dazu gehört aber auch ein adäquates Erzieherverhalten. Die Übungsleiter bemühen sich um eine freundliche Atmosphäre, versuchen die Kinder einzubeziehen, vermeiden ein angst-erzeugendes Klima, ermöglichen Erfolge ohne Leistungsdruck, begründen ihr eigenes Vorgehen, übertragen in Maßen Verantwortung und sind zugleich Spielpartner, Lehrender, Helfender, Vertrauter.
Bei uns gibt es für dieses Vorschulalter z.Z. Zwei Eltern-Kind-Turngruppen und zwei Turn- und Spielgruppen. Außerdem werden vier Wassergewöhnungs- und Schwimmkurse geboten. Die Fußballkurse, die begeisterte Minikicker aufnehmen, versuchen ebenfalls neben dem typischen Fußballspiel vielfältige Spielformen und Ballgewöhnung anzubieten.

Ab dem Grundschulalter z.T. spezieller

Im Grundschulalter fächert sich das Angebot in der Sporterziehung langsam auf. Neben einer Turn- und Spielgruppe, die die Fortführung aus dem Vorschulalter bildet, gibt es insgesamt fünf Gruppen der Sportmotorischen Grundausbildung, die in Kooperation mit mittlerweile schon drei Grundschulen geführt werden. Sie umfassen die ersten drei Jahrgangsstufen mit insgesamt etwa 75 Kindern und sind sowohl für Schulkinder als auch Vereinsmitglieder offen.
Die Sportmotorische Grundausbildung wurde vor etwa fünfzehn Jahren an der Westfälischen Wilhelmsuniversität von Gerd Westphal „erfunden“, die eine breite Basis von Grundfertigkeiten ermöglichen will, um einer zu frühen Spezialisierung vorzubeugen. In diesen Kursen, die mit Spaß vielseitige Bewegungserfahrungen besonders in den verschiedenen Spielformen bieten, werden auch besondere Aktionen wie Schlittschuhlaufen, Großtrampolinspringen, Besuch des Zoos und vieles mehr unternommen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Sportwissenschaft der Uni werden außerdem auch Fortbildungen für die Übungsleiter angeboten. In Kooperation mit Schulen stehen ebenfalls die Volleyball-AGs für die 3. und 4. Klasse zweier Grundschulen im Viertel.

Integration nicht nur ein Wort
Integration ist dem Verein ein großes Anliegen: Kindern mit Behinderungen, ausländischen Kindern, Kindern von Spätaussiedlern oder aus sozial schwierigen Situationen werden im SV Blau-Weiß Aasee dieselben Chancen und Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung im sportlichen und außersportlichen Bereich geboten – und sie werden genutzt.
Ganzheitlichkeit auch in diesem Bereich eine Selbstverständlichkeit.

Sabine Heinatz
 

Sàtira Real eines spanischen Deutschlehrers

Lieber ein Selbsttor als kein Tor

Manuel Rodriguez, kanarischer, akzentfreier Deutschlehrer im Austausch an der Ludwig-Erhard-Schule (d.h. Ein deutscher Kollege ist jetzt auf den Kanaren!), schildert seine Eindrücke beim freitäglichen „Alt-Herren“-Kick in der Halle der Matthias-Claudius-Schule.

Zum, Glück wir spielen in eine Halle. Da ist es nicht so kalt wie draußen.

Zuerst Regen wie bei Singflut, dann Kälte wie bei esquimales. Einfach so, ohne zu armen (Akkusativ!) Spanier vorher betäuben oder wenigstens vorher warnen: Wetter in Deutschland, lieber Manolo, veränderlich wie Laune schöne señorita und Scheiße wie Fußball von deutsche Nationalelf. Claro hombre, dann ich wisse es, dann ich konne mich vorbereiten. Dann ich komme nicht nach Deutschland. (Viele señoritas weinen und sagen sie warten auf Vater und Kind in Bauch. Olé!)

Gesagt: Zum Glück wir spielen in eine Halle. Jeder Freitag um Viertel (Biertel?) vor sieben, viele alte Herren spielen gegen mich Fußball. Sí, auch Mitspieler spielen gegen mich. Ich frage: warum? Antwort: keine Antwort oder unverständlich comentario: verpinkel dich … gebildeter Quixote. So über eine Stunde. Schade wegen Störung in comunicación zwischen Spieler wie Brüder. Keine gute perspectivas für Europäische Union, nicht wahr. Außerdem: Mitspieler haben nur eine obsesión: umgelegten (Akkusativ!) Kiste von unten zu treffen mit großer nervöser Ball. – Ich meinerseits (gestern gelernt!) wisse besser: ich schieße auf Tor. Aber wo ist Tor? Geklaut? Kein Geld für neu zu kaufen? Rot-grune Sparmaßnahmen? (In Zeitung gelesen!) Zu teuer wegen Ökosteuer? (Tor vielleicht ohne grüner Punkt?) Keine Aanung. Und dann großer nerviosimo bei auswechseln: zwei Minuten sind vorbei und dann wieder Völkerwanderung (eben aufgesucht!) auf und ab, rein und raus. Himbeerasche und Birne, das ist fast pornográfico! Der gute Wein braucht Zeit um zu reifen und Fußballer braucht Zeit um zu schweißen (und ohne schweißen das Bier schmeckt nicht so gut).

Aber der ambiente ist in Ordnung. Die Spieler draußen auslachen Spieler auf Spielfeld weil sie beneiden sie und Spieler auf Spielfeld beneiden Spieler draußen weil sie konnen lachen ohne zu ein Gegentor bekommen. Olympische máxima heißt: zu teilnehmen ist das wichtigste; unsere heißt: Gegner schlagen um jeden Preis (von Mitspieler gehört!), denn Bier bekommen alle am Ende.

Und das ist democrátio (fast socialista, heilige Jungfrau!) aber ich bin der Meinung (heute neu gelernt!) wie die Bibel: viele sind aufgerufen aber wenige auserwählt. Mit anderen Worten (Lehrer geholfen!): lieber ein Selbsttor als kein Tor.

Manuel Rodriguez