Der Aaseher Juni 1999
Der Aaseher Juni 1999 - Ausgewählter Beiträge



Tanzkurs – Abschlußprüfung
  Zur Erlangung des Theorie-Zertifikats für die Denise-Leifert-Ära

Aufstieg 2000
  Zahlen und Hintergründe einer normalen Saison






Zur Erlangung des Theorie-Zertifikats für die Denise-Leifert-Ära

Tanzkurs – Abschlußprüfung

„Die wilden 90-er Jahre“

Was bei anderen Vereinen ein einfacher geselliger Tanzkurs … wird bei Blau-Weiß Aasee zu Psychodrama und Gestalttherapie.

Man weiß, daß man den richtigen Tanzkurs besucht, wenn

□  die anderen Paare genauso verzweifelt aus der Wäsche schauen
□  kurz nachdem man sich wieder mal intensiv die Schuld in die Schuhe geschoben hat, neben einem die nächste Krise laut wird.
□  bei den Fehlerbildern, die der Tanzlehrer nachstellt, alle mit dem gleichen Blick in der Gegend herumstehen: Erst amüsiert, dann verunsichert, aber in der Hoffnung, daß nur die anderen gemeint sind.

Die richtige Tanzlehrerinnen-Anweisung beim Rumba ist:

□  „Power!!!“
□  „Tief – Hoch – Hoch“
□  „Schmachten!“
□  „Unter Standhöhe!“
□  „Andocken!“

Die korrekte Bezeichnung der sich mit tänzelnden Bewegungen herumplagenden Gruppe ist:
□  „F-F-F-F-Kurs“ (F = Fortgeschritten)
□  „Tanzsportgruppe“
□  Ehe- und Beziehungskonfliktmanagement durch Tanz
□  Tanzen und Trinken

Die richtige Übersetzung von DFB lautet:
□  Der Folter Ball
□  Denise-Fan-Block
□  Dancing – Featuring – Beerdrinking

Welcher Tanz beginnt standardmäßig mit rechts beim Herrn und links bei der Dame?
□  „Spezi“
□  „Tango“
□  „Alsterwasser“

Der heimliche Lehrplan beim Tanzen:
□  Sich auf neue und alte Figuren konzentrieren, während die Männer sitzen und übers letzte Spiel diskutieren.
□  Führen und das Führen lassen – je nachdem wie es den Frauen gerade gefällt.
□  Allen Frustrationen zum Trotz darauf bestehen, daß es einen Fortsetzungskurs gibt.
□  Auf gar keinen Fall zuhause heimlich üben.
□  Jeden mobben, der auch noch andere Tanzkurse besucht.

Wie nennt man die auf erotische Wirkung abzielende rhythmische Bewegung der Schultern (Idealvorstellung!) beim Tango?
□  „Shuffle – Shuffle – Shuffle!“
□  „Shaka – Shaka – Shaka!“
□  „Schubber – Schubber – Schubber!“

Horrorvisionen eines Tanzkurses:
□  „Zeigt mal, was Ihr vom letzten Mal noch behalten habt!“
□  „Also nach dem nächsten Tanzkurs mache ich Schluß, weil ich meine Diplomarbeit in Hamburg schreiben will!“
□  „Hugo will uns mit einem anderen Kurs zusammenlegen!“

Wer den Test besteht – ohne daß Denise etwas davon weiß – Anspruch auf einen Intensiv-Wiederholungskurs (beginnend in so ca. 6 bis 18 Monaten und dann durch bis zur Rente), weil vermutlich dann sämtliche Nachfolger verschlissen und über die Lernresistenz der Gruppe und ihre häusliche Übungsunwilligkeit endgültig die Nerven verloren haben …


Denise, stell Dich schon mal drauf ein!
Tequo

 

Zahlen und Hintergründe einer normalen Saison

Aufstieg 2000

Der stets umsichtige, eloquente und statistik-verliebte Libero der ersten Fußballmannschaft klärt darüber auf, warum Aasee den Aufstieg wieder verpasste. Zumindest für die Fußballer nichts Neues, aber wir hören es immer wieder gern.

Natürlich
Hätten wir auch in dieser Saison aufsteigen müssen. Wir waren so dicht dran. Daß es nicht geklappt hat, hat viele bekannte Gründe. Zu große Spielerfluktuation, wenig Training, außergewöhnliches Verletzungspech, Leistungsträger spielten eine schlechte Rückrunde, kein Glück, viel Pech, mangelhafte Trainingsbeteiligung etc. Der Trainer hat es in einem Interview mit dem Heimspiel auf den Punkt gebracht. „In dieser Saison war mehr drin.“
Vor dem letzten und nichts-mehr-entscheidenden Saisonspiel gegen BFV Zeit für eine kleine Rückschau. Der Artikelschreiber ist dabei gewöhnlich versucht, das ganze entweder überbetont lustig zu gestalten oder als bierernste „Abrechnung“. Der nachfolgende Versuch ist keines davon. Fußball ist zunächst einmal eine Wissenschaft – das gilt insbesondere für BW Aasee. Ein paar Zahlen, die das belegen: 7, 24 und 2.

Rituale und Statistik

Treffen
Zwischen Treffpunkts- und Abfahrts- bzw. Umkleidezeit liegt mindestens eine halbe Stunde. Diese Zeit ist wichtig. Zum einen um viele alte Bekannte zu begrüßen, die man lange nicht gesehen hat. Im statistischen Mittel sieht man seine Mannschaftskameraden alle drei Wochen bei einer Zahl von insgesamt 38 eingesetzten Spielern und einer durchschnittlichen Mannschaftsstärke von 13 Spielern. Da hat man sich natürlich viel zu erzählen. Zum anderen um festzustellen, welche Sportskameraden man diesmal nicht wiedersehen wird, obwohl der Trainer bis zwei Stunden vor dem Spiel vom Gegenteil überzeugt war. Diese Statistik wird auch durch das gelegentliche Training nicht verunreinigt – wer in unserer Intellektuellentruppe würde auch vorsätzlich den Gesetzen der Mathematik trotzen wollen? Und wenn in dieser Saison Ottmar Hitzfeld als Erfinder des „Rotationsprinzips“ gefeiert wird, die Copyrights hat eigentlich Uli Heuser – notgedrungen.

Promille

Der Aasee-Spieler hat im Durchschnitt 0,5 bis 1,0 Promille, wenn er Sonntags zum Spiel erscheint, wobei dankenswerterweise einige Spieler die Promillearbeit für die ganze Mannschaft erledigen. Streng nach dem Heuserschen Rotationsprinzip (s.o.) sind dann häufig die Fahrer, die mit dem PKW zum Treffpunkt erscheinen, nicht die, die ihre eigenen Autos zu den Auswärtsspielen bewegen.

Spielerpopulation
Die durchschnittliche Spielerpopulation variiert sehr stark. Erscheinen zum einen Auswärtsspiel mitten in der Woche (Hohenholte) nicht weniger als 18 Leute, so sind es beim letzten Auswärtsspiel bei Fortuna Münster ganze 11. Davon drei betrunken, vier fußkrank oder anderweitig angeschlagen, sieben konditionsschwach, drei übergewichtig (Mehrfachnennungen möglich). Die jeweiligen Populationsparameter (Wetter, Wochentag, welcher Gegner) sind schwer zu definieren, allerdings bereitet der mannschaftsinterne Soziologenkreis gerade einen (Spiel-)Feldversuch vor.

Leibliches Wohl
Die Aaseegastronomie wird vor dem Spiel im Durchschnitt vier Mars (davon zwei mit Sicherheit für Bernd und Frank), ebenso viele Pindop (u.a. meistens Dirk), mindestens eine Flasche Emsland-Sport-Fit (Bernd) und eine Pommes (Stefan) verkaufen.
Jan wird mit Roler-Blades zum Spiel erscheinen und sich mit 70%iger Sicherheit die Frage gefallen lassen müssen, ob er denn schon wieder fahren dürfe. Christian interessiert weniger, mehr schon, ob Freundin Maike als Zuschauerin zum Spiel kommt, und ob sie, gesetzt den Fall daß, dazu extra aus Düsseldorf anzureisen gedenkt. So dies der Fall ist, sinken die Siegchancen. Man kann es auf die einfache Formel bringen: Je düsseldorfiger, desto weniger Punkte.

Umziehen
Javier wird wieder einmal keine Schienbeinschützer dabeihaben, sich mit Heiko um das letzte zur allgemeinen Verfügung stehende Paar streiten und natürlich wieder einmal seine Stollen wechseln. Hanno wird feststellen, daß das Torwarttrikot zwar schön ist, aber am Hals kratzt, weshalb er sich doch wieder für das alte, häßlichere entscheidet, nicht ohne vorher den Trikotwäscher mit einem „Wir haben zwei Torwarthosen und heute wieder keine“ zu bedenken, was dazu führte, daß Hanno im Laufe der Saison in 50% der Spiele ohne Beinkleider im Tor stand. Streng statistisch. Dirk wird die Platzverhältnisse prüfen, adäquates Schuhwerk empfehlen, die Spieler werden das Thema diskutieren, nach einer Viertelstunde Dirks Empfehlung absegnen und dann das einzige Paar Schuhe anziehen, das sie dabeihaben. Olaf wird einfordern, daß angesichts des heutigen Gegners Einsatz zu bringen sei. Das leuchtet ein und wird umgehend ins Protokoll aufgenommen.
Wir haben immer und garantiert noch etwas aus dem Hinspiel oder wahlweise der Vorwoche gutzumachen. Statistisch eine für Aasee ungewöhnliche Konstanz.

Taktik
Stefan wird empfehlen, Holger im Spiel nicht anzuspielen, weil das (nicht er) besser ist. Holger wird sich beim Trainer für den Sportskameraden Dimon einsetzen, der doch in dieser Saison schon so viel für Aasee geleistet habe. Die Scorer-Liste hat damit nichts zu tun (Aktuell: 1. Stefan Dimon 14 T/6 A/20 P, 2. Holger Schneider 13 T/6 A/19 P). Wir spielen natürlich aggressiv, flach, ruhig und lassen den Ball laufen. Das Spiel über die Außen ist wichtig. Die verschiedenen Eckenvarianten werden auf der Tafel durchgesprochen, bei Standards müssen wir stark sein. Und, Jungs, von der ersten Minute an sind wir voll da. Dann macht uns der Trainer so richtig heiß, seit neuestem simultan deutsch-spanisch übersetzt (Manuel). Das dauert gute fünfzehn Sekunden, spätestens dann platzt einer der Betreuer in die Kabine. Der hat den Zettel verlegt, auf dem die Zahlen von 1 bis 15 in richtiger Reihenfolge notiert sind. Mindestens zwei Spieler müssen daraufhin ihre Trikots tauschen. Statistisch gesehen fehlen ferner 1,7 Pässe und 2 ½ Paßfotos. Anschließend kurze Information über den heutigen Gegner, was aber nicht wichtig ist, weil wir uns jeden Gegner schwer machen.

Spiel
Das Schöne an BWA ist es, daß wir zwar die gleichen Fehler machen wie unser Gegner, aber wir machen sie bewußt. Kein Mitspieler, der nicht theoretisch in der Lage wäre, das Spiel zu gewinnen. Wir sind intelligenter und besser, und wenn wir mal nicht besser sind, sind wir wenigstens schöner. Wie schlug uns das Herz, als der Teutone Röwekamp seinen Gegenspieler einen „Studenten“ zieh. Was macht es, daß wir das Spiel verloren, wo doch endlich jemand bereit war, unsere intellektuelle Überlegenheit zu konstatieren.
Hanno wird häufiger „Torwart“ rufen, aber nicht sich selbst damit meinen. Die Abstöße erreichen die Streuung von Schrotmunition, obwohl der Libero völlig überzeugt die Namen der Stürmer ruft, wie er eigentlich das gesamte Spiel über irgend etwas zu sagen hat. Der gewöhnliche äußere Manndecker wird sich bei seinem ersten Flankenlauf fragen, ob er noch die Kraft für den Rückweg besitzt. Manuel wird in etlichen Zweikämpfen den Ball „fast“ erobert haben. Dafür kennt er aber mindestens zwei Spieler aus jeder gegnerischen Mannschaft. Das Mittelfeld spielt mit, damit es überbrückt werden kann. Probates Mittel: (Über)lange Pässe auf vor 10 Jahren pfeilschnelle Spitzen. Natürlich haben wir die Lufthoheit, kaufen dem Gegner den Schneid ab. In den ersten 20 Minuten werden wir schon 7% unserer Tore erzielen und nur 22% unserer Gegentore kassieren. Klasse auch, daß wir in nur 43% unserer Spiele in Rückstand geraten. Bernd wird ein- oder ausgewechselt werden, vielleicht auch beides. Holger wird mit ziemlicher Sicherheit einen Freistoß ans rechte obere Lattenkreuz setzen. Aber wir geben es nicht auf. Die Ersatzbank ist von vollendeter Erfahrung und gediegenem Torhunger. Mindestens ein Ersatzspieler wird sich schon beim Warmmachen verletzen. Zum Pausentee haben wir mit 40%iger Sicherheit keine oder nicht ausreichend Getränke. Macht nichts, die Kabine ist ohnehin verschlossen.
Letztlich werden wir das Spiel gespielt haben, im Durchschnitt 3:1 für uns, auch wenn dieses Ergebnis real in der Saison nur einmal vorkam.

Prognose für das letzte Spiel gegen BFV: Es handelt sich um ein sogenanntes Heim-Auswärts-Spiel. Zwar haben wir Heimrecht, treten aber bei BFV an.
BWA ist die sechstbeste Heimmannschaft (13 SP: 8S/1U/4N, 25 P, 39:17 Tore), wobei BFV die zwölftbeste Auswärtstruppe ist (13 SP: 3S/1U/9N, 10 P, 18:46 Tore). Auf des Gegners Platz sind wir besser: Zweitbeste Auswärtsmannschaft (14 SP: 7S/5U/2N, 26 P, 33:19 Tore), aber BFV ist immerhin die elftbeste Heimmannschaft (12 SP: 4S/2U/6N, 14 P, 26:33 Tore). Das Hinspiel gewannen wir mit 4:0, auf Asche. Diesmal spielen wir auf Rasen. Auch auf Rasen sind wir nicht gut, nur anders (8 SP: 4S/2U/2N, 14 P, 19:14 Tore). Gesetz der Serie: Wir spielen eine überdurchschnittlich grottenschlechte Rückrunde (13 SP: 6S/2U/5N, 20 P, 30:21 Tore), BFV eine sehr gute Rückrunde (11 SP: 5S/1U/5N, 16 P, 28:41 Tore). Äußere Faktoren: Ein halbes Dutzend aktiver Aaseespieler gibt bei diesem Spiel seinen Ausstand, hinzu kommt der Trainer. Außerdem haben wir am Freitag unseren Saisonabschluß gehabt. Aus all diesem kann man nur eines folgern:

Wir gewinnen 4:1 (2:1).
0:1 (22.) Olaf (Stefan)
1:1 (33.)
2:1 (41.) Holger (Kai)
3:1 (76.) Uwe Kelle (Tequo)
4:1 (85.) Heiko (Jens)
Bes. Vorkommnisse: Holger verschießt zum ersten Mal einen Elfmeter (87.)

Warum das alles so kommt? – Keine Ahnung.

Zu erwähnen bleibt vielleicht noch, daß die Regenwahrscheinlichkeit bei unter 30% liegt.
 
Dirk Breulmann

Aber in der nächsten Saison, da steigen wir auf. Ganz bestimmt.