Der Aaseher Winter 1999/2000
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Wohin sollte sich ein Sportverein entwickeln?







Wohin sollte sich ein Sportverein entwickeln?

Die Entwicklung unseres Sportvereins in den letzten Jahren ist hinlänglich bekannt und in unseren Veranstaltungsheften gut dokumentiert. Einige Schlagworte: Breitensportorientierung, Sport im Viertel, Ausbau der Angebote im Kinder- und Jugendbereich und Sport soll Spaß machen, Leistung muß nicht an erster Stelle stehen.

Ausgehend von dieser Basis gibt es immer wieder Diskussionen von Übungsleitern in unserem Verein, Kindern und Jugendlichen, die nicht oder nur zum Teil die Ausstattungsmöglichkeiten haben, an einem geregelten Sport in einer Gruppe teilzunehmen, ins Vereinsleben zu integrieren. Ausstattung heißt in diesem Zusammenhang: Frustrationstoleranz, Motivation und soziale Umgehensweisen, um mit den vielfältigen Anforderungen in einer Gruppe umgehen zu können.

Problem
Viele Kinder haben diese Ausstattung nicht ausreichend ausgebildet, so daß es in Gruppen immer wieder zu erheblichen Problemen kommen kann. Aus unseren beruflichen Erfahrungen wissen wir aber, daß gerade diese Kinder eine Sehnsucht nach Anerkennung und Akzeptanz haben, eine Integration in eine Sportgemeinschaft jedoch oft scheitert. Dabei handelt es sich oft um Kinder, die bereits in Jugendhilfemaßnahmen (z.B. Wohngruppen, Tagesgruppen) betreut und spezifisch beschult werden (Schule für Erziehungshilfe). Diese Kinder bedürfen zunächst pädagogisch gut geführter Gruppen, um dann eine Integration zu ermöglichen.

Projekte und Kooperationen

Dieses ist der Ansatz von uns, die in diesem Feld als Sozialarbeiter und Lehrer tätig sind und als Übungsleiter und Sportler im Verein einen Teil ihrer Freizeit verbringen und Blau-Weiß Aasee mit seinen vielfältigen integrativen Möglichkeiten schätzen gelernt haben. Somit entstanden „kleine Projekte“, um schrittweise Kinder mit diesen Problemen an den Verein heranzuführen.
Dabei kooperiert unser Verein mit Institutionen wie der Schule für Erziehungshilfe und den Evangelischen Kinder- und Jugendhäusern Blaukreuzwäldchen, deren Anliegen es ist, Kindern möglichst viele positive Erfahrungen zu ermöglichen, so z.B. sportlich in einem Verein aktiv sein zu können. So gründeten bereits vor Jahren mehrere Heim- und Horteinrichtungen eine Kinder-Champions-League, in denen Kinder aus Einrichtungen unter vereinsähnlichen Strukturen (geregelter Spielbetrieb, Punktewertung usw.) Fußball spielen. Ziel ist es dabei, neben dem Spaß am Spiel auch mit Niederlagen adäquat umgehen zu können.
Parallel dazu bietet die Schule für Erziehungshilfe eine Fußball-AG für Kinder an, die zum Teil auch im Blaukreuzwäldchen pädagogisch betreut werden. Was liegt also näher, als diese Kinder nun im Verein Fußball spielen zu lassen und zwar im regelmäßigen Spielbetrieb.
Dieses wird in der Hallenwintersaison für eine E-Jugend-Mannschaft geschehen. Ein ähnliches Modell findet in unserem Badminton-Angebot dienstags in der Josefschule statt. Kindern und Jugendlichen wird durch ein pädagogisch geführtes Angebot Sicherheit gegeben („Ich kann mithalten“ oder „die sind ja alle nett“ sind typische Sätze) und der eigenständige Schritt in andere Abteilungen wie Tischtennis oder Volleyball wird eröffnet.

Fazit
Also wohin sollte sich ein Sportverein entwickeln? Eigentlich klar!
Er sollte sich vor allem möglichst Kindern und Jugendlichen öffnen und gerade auch denen, die aufgrund ihrer nicht ausreichenden Ausstattung Probleme in Gruppen haben.

Weitere Ideen sind willkommen!

Uwe Kelle
Dietmar Sonius