Der Aaseher Sommer 2000
Der Aaseher Sommer 2000 - Ausgewählte Beiträge



Mutige Zukunftsentscheidung
Mitgliederversammlung billigt Hausbau- und Beitragspläne

Gruß aus Norwegen
Ja, vi elsker dette landet!

Alle Kreter lügen
Fußball 2. Mannschaft: Sicht der Spieler



Mitgliederversammlung billigt Hausbau- und Beitragspläne

Mutige Zukunftsentscheidung

Am 23. Mai fand im Gemeindehaus der Jakobusgemeinde die diesjährige Mitgliederversammlung des SV Blau-Weiß Aasee statt, auf der die anwesenden Mitglieder der Planungsgruppe „Neubau des Vereinshauses“ und dem Vorstand Rückhalt gewährten: Alle Anträge wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Nur eine Gegenstimme gab es bei der Entscheidung über die Änderung der Mitgliedsbeiträge und deren Umstellung auf die Euro-Währung ab dem 01.01.2001 sowie der Einführung einer Verwaltungsgebühr bei Vereinseintritt ab dem 01.Juli 2000 (siehe Übersicht auf dieser Seite).

Nach diesem eindeutigen Votum erläuterte der Architekt Erich Varnhagen vom Architekturbüro plan.werk die bisherige Entwicklung des Projektes „Vereins- und Stadtteilhaus des SV Blau-Weiß Aasee“. Sein Kollege Thomas Hartmann stellte einen Vorentwurf vor. Dieser wurde bereits durch die von der letztjährigen Mitgliederversammlung eingesetzten Planungsgruppe „Neubau des Vereinshauses“ bei Stadt und Land eingerecht, um Rückmeldungen auf eine Realisierbarkeit des Vorhabens zu bekommen.
Der Vorentwurf schließt mit einer Kostenschätzung von insgesamt 2.425.000,- DM (inklusive Ersteinrichtung/Außenanlagen) ab. Die Nutzfläche des Gebäudes beläuft sich auf ca. 590 qm, die Funktionsfläche auf ca. 40 qm und die Verkehrsfläche auf ca. 175 qm auf insgesamt zwei Etagen und einem Kellergeschoß. Beantragt wurden bei der Stadt Zuschüsse in Höhe von 1.750.000,- DM, beim Land NRW in Höhe von 250.000,- DM. Die Eigenleistung vom Verein beträgt 425.000,- DM.

Beitragsstruktur ab dem 01.01.2001
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren                5 € (bisher 8,- DM)
Studenten; Auszubildende, Zivildienstleistende   7 € (bisher 14,- DM)
Aktive Mitglieder                                              8 € (bisher 14,- DM)
Familien                                                        12 € (bisher 22,- DM)
Passive Mitglieder                                            3 € (bisher 6,- DM)
Passive Familien                                              4 € (bisher 8,- DM)

Ab dem 01.Juli 2000 wird für jede Neumitgliedschaft eine einmalige Verwaltungsgebühr von 20,- DM/10 € (Erwachsene und Familien) bzw. 10,- DM/ 5 € (Kinder und Jugendliche) erhoben werden.

Gegen Vorlage des Münster-Passes gibt es weiterhin 50%ige Ermäßigung auf alle Beitragsarten.














Der Architektenentwurf fand großes Lob und Zustimmung bei den Mitgliedern. Klaus Ehling, der zweite Vorsitzende des Vereins, referierte über die Folgekostenvorschau, den voraussichtlichen Ertrag und mögliche Marketingkonzepte. Der Vereinspräsident Hugo Domin erläuterte anschließend die Raumnutzungspläne.

Nach eingehender Diskussion wurde schließlich folgender Antrag einstimmig (bei zwei Enthaltungen) gebilligt:


1. Der SV Blau-Weiß Aasee baut auf der Grundlage der o.g. Zahlen sein neues Vereinshaus. Die Mitgliederversammlung genehmigt für aufzunehmende Kredite einen Kapitaldienst von 36.000,- DM im Jahr, das sind 3.000,-DM im Monat.

2. Die Mitgliederversammlung setzt durch Durchführung des Unternehmens eine Planungsgruppe „Neubau“ und eine Planungsgruppe „Finanzen“ ein. Der Vorsitzende des Vereins und sein Stellvertreter leiten diese Gruppen.

3. Ändern sich Förderrichtlinien von Stadt und Land gravierend, sind die von der Mitgliederversammlung 2000 eingesetzten Planungsgruppen im Einvernehmen mit dem Vorstand berechtigt, Änderungen der o.g. Größen (mit Ausnahme des Kapitaldienstes, Höchstgrenze bei 3.000,- DM/Monat) vorzunehmen.

4. Vor Baubeginn werden diese Änderungen sowie weitere Ergebnisse der Planungsgruppen auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung präsentiert.

Björn Wagner

 

Ja, vi elsker dette landet!

Gruß aus Norwegen

Johanna Domin trainierte die Volleyball-E-Jugend und spielte im B-Jugend-Team von BWA, bevor sie mit dem American Field Service (AFS) für ein Jahr als Austauschschülerin nach Norwegen ging. In den letzten beiden Ausgaben des Aasehers berichtete sie über ihre Vorbereitungen bzw. ersten Ergebnisse in diesem sagenhaften Land. Auch dort spielt Johanna Volleyball und hätte mit ihrer Mannschaft beinahe die Meisterschaft feiern können.

Komm mit, komm mit mir ins Abenteuerland …
River deep, mountain high …
Freiheit, Freiheit ist das Einzige, was gilt …
Und dann die Zusammenfassung:
Ja, vi elsker dette landet!!!

So sitze ich hier vor einem Blatt Papier und möchte die tausenden Erlebnisse, überwältigenden Augenblicke aufschreiben und einen Eindruck vermitteln. Fast unmöglich!
Ja, ich liebe dieses Land, die Zeit rennt einem davon, laufe hinterher, aber sie ist doch kaum einholbar.

Rückblick
Viel ist geschehen seit dem letzten Bericht: Meine Gastfamilie hat sich vergrößert. Malin Sophie ist jetzt 3 Monate alt und lässt die ganze Welt mit sich lachen; mein Norwegisch hat sich so weit entwickelt, dass ich fast alle Klausuren in der Schule mitschreiben muss, ich viele neue Leute kennen gelernt habe und wirklich gute Bekanntschaften gemacht habe …

Volleyball – Fast Meister

Hinter mir liegen außerdem zwei Norwegische Meisterschaften im Volleyball. Die 1. habe ich mit der Schulmannschaft gespielt, die 2. und völlig eindrucksvolle liegt gerade einen Tag zurück. Mit meinem Team (bis 17 Jahre) sind wir nach Westnorwegen gefahren. Ein Wahnsinnsgefühl, als das Licht ausging, eine Stimme durchs Mikro sagte „Willkommen NES“ und wir dann mit Fackel in die Halle marschierten. Laute Musik durch Lautsprecher, Klatschen von der vollen Tribüne und es wird einem klar, man ist dabei. Unter den besten in Norwegen! Und in dem Moment hat sich jede Sekunde des harten Trainings des letzten Jahres gelohnt!
Vor jedem Spiel eine genaue Analyse des Gegners, welcher Spieler greift wie an, wie wollen wir sie schlagen, jedesmal Nervosität, jedesmal das Beste geben, und ich habe uns wirklich noch nie so gut spielen erlebt. Das nennt man dann, glaub ich, echt nur noch Pech, wenn man 4 von 5 Spielen gewinnt und trotzdem nur 5. wird. Aber man sollte sich bewusst machen, dass wir die 5.beste Mannschaft in ganz Norwegen sind!!
Nächstes Wochenende spiele ich bei den Norwegischen Meisterschaften für Kreisauswahlteams mit!

Mit Schrecken stelle ich fest, dass es nur noch 2 Monate sind in diesem faszinierenden, mächtigen, gewaltigen Land … und dann kann ich euch allen alles ganz genau erzählen!

Zum Abschied unser „Schlachtruf“:
Acabella uala-heya, heya, heya –emi –cha –emi –cha –emi –cha, cha, cha-uuuu to, tre, HEI!!!!!

Johanna Domin


Fußball 2. Mannschaft: Sicht der Spieler

Alle Kreter lügen

Oder: Was es bedeutet, wenn ein Haufendörfler Haufendörfler Haufendörfler schilt (Versuch einer Replik auf die fußballphilosophische Abhandlung „Tractatus logico-fußballicus“ von Tequo Wittgenstein).
Anmerkungen eines x-beliebigen Spielers von BWA II, aufgezeichnet von Thomas Stöckle und Matthias Theele.


Ein typischer Münsteraner Sonntagvormittag, die Nacht hätte gerne etwas länger sein dürfen, der Himmel ist regenverhangen (was auch sonst), die Fußballschuhe noch naß vom letzten Training, der Vorderreifen am Fahrrad ist auch schon wieder platt, kalter Kaffee am Vereinsheim und außer mir ist wieder mal noch keiner da.

Nach und nach tauchen weitere Körper auf, denen – wie mir – auf den ersten Blick nicht anzusehen ist, daß sie beabsichtigen, sich gleich im sportlichen Wettkampf zu messen. Man ist auf nette Weise einsilbig, tagesaktuell relevante Sachverhalte werden kurz abgehandelt: „Hi Björn! Na schaffts der Bayer jetzt, oder nicht?“

Dann ist es soweit: ER erscheint! Süffisant läßt er seinen Blick über die Anwesenden schweifen, aus netter Einsilbigkeit wird giftelnde Vielrederei, das übliche Begrüßungsritual beginnt: „Na, Theele, wars wieder mal besonders hart gestern abend? Wo sind Tom und Dermot – hängen wohl noch an irgendeiner Whiskyflasche … Wie, Tobias ist schon da – na, da ist das spielerische Element ja garantiert … Guten Morgen Uwe, wie geht’s Dir denn heute?“

Irgendwann sind dann alle Schäfchen versammelt – die Spielvorbereitung beginnt. Gemäß dem klassischen römischen Demokratieprinzip des Teilens und Herrschens weist ER Aufgaben zu. Ein Bevollmächtigter für den Platzaufbau wird von IHM bestimmt, und unmittelbar zusammengeschissen, sollte die Aktion nach zwei Minuten noch nicht angelaufen sein (und es liegt in der Natur der Sache, daß die Aktion nach zwei Minuten noch nie angelaufen ist – es sei denn, Udo hat das Gefühl, mal wieder nicht in der Anfangsformation zu stehen …).

Dann werden die letzten Zigaretten ausgedrückt, der letzte Schluck kalten Kaffees wird dem noch nicht voll funktionsfähigen Organismus zugeführt, die entscheidende Phase der Spielvorbereitung beginnt. „Wer nimmt die Trikotkiste?“, eine Frage, die, da von IHM gestellt, auch immer impliziert, daß jemand, der nicht ER sein kann, selbiges tut, da ER an der Last der Verantwortung für seine „psychosozial deformierten Haufendörfler“ schließlich schwer genug zu tragen hat. Auf dem Weg zur Kabine gibt er dann weitere Kostproben seines fußballpädagogischen Motivationstalents: „Na Tom, willst Du heute nicht wenigstens die drei Buden machen, die Du letzten Sonntag vergeigt hast? So wie Tobais aussieht, sollten wir für den einen Gegenspieler aussuchen, der die hundert Meter nicht unter 30 Sekunden läuft …“.

In der Kabine. Während mannschaftsintern noch der Verlauf des gestrigen Abends („… im Atelier ist es um fünf noch mal so richtig voll geworden“), sowie die Wahl des angemessenen Arbeitsmaterials („Stollen oder Noppen?“; „Hat noch jemand ein zweites Paar Schienbeinschoner dabei?“…) diskutiert wird, verdunkelt sich SEINE Miene. Wieder einmal widmet die Truppe der bevorstehenden Verkündigung seines weisen Ratschlusses bezüglich Aufstellung und Taktik nicht die angemessene Aufmerksamkeit (ganz zu schweigen von der ebenfalls nicht bereitliegenden 10er Hose …). Schließlich hat ER, der Olympier, Orakel und Herr des Donners, das unfehlbare Konzept entwickelt, mit dessen Anwendung selbst eine Truppe von „individualisierten Haufendörflern“ für 90 Minuten zu auserwählten, gottgeweihten Dreipunktlern werden kann, ja muß. Ohne Rücksicht auf individuelle Fähigkeiten (Theele: „Trainer, ich gehöre eigentlich ganz vorne rein“) schafft ER aus rudimentär talentierten Einzelspielern ein historische italienische Abwehrbollwerke in den Schatten stellendes Defensivgefüge, dem der Erfolg eigentlich nur durch die Fehlbarkeit Einzelner versagt bleiben kann, welche die verwerfliche Sünde begehen, SEINEN göttlichen Weisungen zuwiderzuhandeln.

Nun mag jedem Außenstehenden klar sein, daß dieses System darauf hinausläuft, daß eine jede Mannschaft, die zu Beginn eines Spiels tiefer steht als BWA II, unweigerlich Gefahr läuft, das Spiel hinter dem eigenen Tor zu beginnen. ER jedoch, sich SEINER Unfehlbarkeit bewußt, kann in dieser Frage keinen Widerspruch dulden. Schon René Weller wußte: „Wo ich bin, ist oben, und wenn ich unten bin, ist unten oben.“ Dieses Prinzip, welches wir hier einmal „tequomäisches Weltbild“ nennen wollen, basiert wesentlich auf den drei folgenden theoretischen Säulen:
1. Ts Demokratiemodell („Teile und herrsche“, s.o.),
2. Ts Pädagogikmodell („Motivation durch Haß“), verfeinert zum T3-Prügelknabenmodell (Theele, Tom, Tobias),
3. Ts Kommunikationsmodell (linear, non-reflexiv: „Stimulus – no response“).

Aber gehen wir nun zurück in die Kabine, denn nichts verdeutlicht ein Modell besser als die Praxis. Der Moment der Verkündigung. „Wir fangen an mit …“. Wieder einmal sieht er sich mit dem Problem mangelnder intellektueller Anschlußfähigkeit konfrontiert angesichts des sich partiell breitmachenden Unverständnisses ob SEINER a) Aufstellung und b) Taktik („Tequo, die sind Letzter, da müssen wir früher draufgehen“). „Jeden Sonntag das Gleiche“, denkt ER sich. Aber ist es SEINE Schuld, daß die Macht und das Wissen nur mit den Auserwählten sein kann? Siehe hierzu auch Modell 3 – Kommunikation bedeutet, daß ER kundtut, und man folgt widerspruchslos, denn alles andere würde dem Infallibilitäts-Gesetz zuwiderlaufen, und wäre mithin ein Vergehen irgendwo zwischen Majestätsbeleidigung und Blasphemie.

Endlich ist alles gesagt. Wir gehen auf den Platz. Jeder macht sich nach eigenem Gutdünken warm, eine Ecke wird aufgemacht, die immergleichen Kandidaten schießen den Torwart warm. Ein Bild entspannter Harmonie, bis schließlich: „Tom, Andreas, ihr sollt euch vernünftig bewegen, Uwe schießt den Torwart warm!“

Kurz vor Spielbeginn werden noch einmal die letzten üblichen Anweisungen erteilt. „Theele, Dich will ich in der ersten Halbzeit nicht über der Mittellinie sehen; Tobias, Du spielst nur gegen den Mann, keine Ausflüge nach vorne; Tom, Kopf hoch, nachsetzen!“ Und wieder einmal kommt Modell 2 zur Anwendung …

Das Spiel beginnt. Nach einer Viertelstunde der erste Ruf zu Außenlinie, die Auswechselspieler sollen sich warm machen. Was ist passiert? Ganz einfach: Theele war über der Mittellinie, oder Tobias nicht bei seinem Mann, oder Tom hat nicht nachgesetzt. In Anlehnung an Modell 2 müßte die Motivation sich schon im oberen Grenzbereich bewegen, aber bei zuviel Haß stellt sich scheinbar ein Kontraeffekt ein, nun möchte man IHN doch ganz gerne seinen Scheiß alleine machen lassen … Dies ist jedoch nur ein kurzer Impuls, schließlich will man ja dann doch zu Ende spielen. Letztlich hat Modell 2 dann doch wieder voll gegriffen.

Halbzeit. Der Gegner ist wahnsinnig schlecht, aber es steht 0:0, was rein fußball-logisch nur den Schluß zuläßt, daß wir genauso wahnsinnig schlecht sind. Aber uns ist ja die Gnade der Weisheit, und selbige spricht durch IHN zu uns: „Wir müssen einfach kompakter stehen, und erst die Mitte dichtmachen. Aus dieser kompakten Mitte ziehen wir dann unser Spiel über außen auf. Aber das funktioniert nur, wenn wir auch Bälle haben wollen“ uswusf … Aber es gibt ja noch Hoffnung, denn sollte ER bis dato noch nicht gespielt haben, so wechselt ER sich spätestens jetzt selbst ein, oder stellt so um, daß ER selbst die kompakte Mitte bildet. Es ist auch nur konsequent, daß der Quell allen fußballerischen Seins nicht nur philosophisch, sondern auch materiell die Mitte bildet, und sich somit zum wiederholten Male als primus inter pares (pares??? Nun ja, nicht wirklich …) manifestiert.

SEINE taktischen Maßnahmen erweisen sich schließlich mal wieder als göttergleich: Aus 25 glasklaren Chancen erzielen wir sage und schreibe zwei blitzsaubere Tore und sichern uns damit einen überzeugenden 2:1-Sieg.

Fazit: ER hat mal wieder alles richtig gemacht, unsere körperliche Teilnahme war wie immer ein notwendiges, leider nicht zu umgehendes Übel – aber die Fortschritte der Reproduktionsmedizin lassen darauf hoffen, daß IHM schon bald vergönnt sein wird, wovon ER schon immer geträumt hat: In elffacher Ausführung auf dem Platz zu stehen, und damit endlich sichergestellt zu haben, daß ein jeder Mitspieler IHM auch geistig gewachsen ist.
Bis dahin jedoch wird es noch viele dieser typischen Sonntage geben, an denen wir dankbar unseren geringen Beitrag zur Erlangung SEINER Unsterblichkeit leisten dürfen.

Denn SEIN ist der Ball, und der Platz, und der Sachverstand, in Ewigkeit, Ball hoi!

Thomas Stöckle und Matthias Theele