Der Aaseher Winter 2001/2002
Der Aaseher Winter 2001/2002 - Ausgewählte Beiträge


BWA braucht ein vernünftiges Vereinsheim
  Höchste Zeit

Bekenntnis zur Kulturvielfalt
  Zivilcourage Aaseestadt

Pure Lebensfreude
  Sommerfest mit allen Sinnen genossen

Alte Sportart neu entdecken
  Leichtathletik

Tischtennis erfährt Revolution
  Einführung der 11er-Zählweise

 

Höchste Zeit

BWA braucht ein vernünftiges Vereinsheim

Die Planungen für ein Vereinshaus und eine familienfreundliche Sportanlage laufen auf Hochtouren. Leider hapert es noch immer bei der Umsetzung. Deshalb mussten schon einige Kurse ausgelagert werden. Der Vereinsvorsitzende Hugo Domin gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge.

In jedem Aaseher gab es bisher eine Zusammenfassung darüber, welche Entwicklungen die beiden Großprojekte des Vereins, “das Vereins- und Stadtviertelhaus” und die Umgestaltung des Platzes in eine “familien- und stadtviertelfreundliche Sportanlage” im letzten halben Jahr nahmen. Diese Tradition soll jetzt fortgesetzt werden, jedoch mit dem festen Willen verbunden, dass hieraus nicht eine “unendliche Geschichte” entsteht.

Mehr als marode: Die Sportanlagen
Wenn so langsam der Winter in Münsters Aaseestadt und Geistviertel Einzug hält, bekommt man die gesamte Trostlosigkeit der Sportanlage Aaseestadt und der Pavillons mit einem Blick zu spüren: Eine riesige rote Sandfläche als Sportplatz mit einer Leichtathletik-Laufbahn, die kaum mehr als solche zu erkennen ist, Tennisplätze, die nicht mehr funktionstüchtig sind, Spielfeldbegrenzungen, die defekt sind, und Pavillons, die sich höchstens noch zum Abstellen von Sportgeräten eignen.
Da die Bewohner des Geistviertels und der Aaseestadt von Natur aus friedliebend und genügsam sind, haben sie lange diesen Zustand hingenommen. Jetzt aber sagen sie – an der Spitze der Hauptnutzer der Anlagen, der SV Blau-Weiß Aasee, “Halt und Stopp”, so geht es nicht weiter. Wir lassen uns nicht weiter vertrösten.

Unterstützung von vielen Seiten

Rückendeckung zu den Projekten erhält der Verein von den Schulen der Aaseestadt, der Dietrich-Bonhoeffer-Schule und Richard-von-Weizsäcker-Schule, sowie den Pfarrgemeinden, St. Stephanus und der Jakobusgemeinde, die für ihre Kinder und Jugendlichen die Anlagen selbstverständlich auch benötigen.

Offene Türen sind wir bei der Verwaltung eingerannt – das merkten wir bei den Gesprächen mit den beteiligten Ämtern, voran das Sportamt, das uns sehr unterstützt.

Jetzt muss die Politik schnellstens Geld zur Verfügung stellen; nicht im Jahr 2004 oder 2005, sondern schon im Jahr 2002.

Viele Kurse von BWA mussten schon ausgelagert werden; z.B. in die Bücherei in die Pfarrgemeinden und jetzt der Kurs “Karibisches Tanzen” nach Bösensell. Nirgendwo sind in der Aaseestadt noch freie Raumkapazitäten. Es kann nicht sein, dass ein lebendiger und vielfach preisgekrönter Verein auf diese Weise ausgezehrt wird.

Sportplatz und Stadtviertelhaus sollen eine Plattform werden, auf der sich die Bewohner des Viertels, egal ob Mitglied oder nicht, treffen können, ein Forum, von dem die unterschiedlichsten Ideen ausgehen können: Bunt, dynamisch, facettenreich – wie sie es bisher von uns gewohnt sind.

Hugo Domin


Zivilcourage Aaseestadt

Bekenntnis zur Kulturvielfalt

Von September bis November veranstaltete der "Runde Tisch Aaseestadt", an dem die Kirchengemeinden Jakobus und St. Stephanus, der SV Blau-Weiß Aasee sowie die Kindergärten und Schulen der Aaseestadt zusammen arbeiten, eine Aktionsreihe unter dem Motto "Gewalt überwinden – Für Toleranz und Zivilcourage". Stefanie Ehling, die Blau-Weiß Aasee am "Runden Tisch" vertritt, blickt zurück.

Wir haben Farbe bekannt!
Am 30.10.2001 fand unter Mitwirkung der Gemeinden, der Schulen und unseres Vereins in der Aaseestadt ein buntes Erntedankfest statt. Dieses Fest stellte einen Höhepunkt unserer Aktion Zivilcourage dar. Ausländer, sowohl aus der näheren Umgebung als auch aus der Aaseestadt feierten und gestalteten zusammen mit anderen Mitgliedern des Viertels einen ökumenischen Gottesdienst und den sich daran anschließenden internationalen Frühschoppen.

Abwechslungsreiche Veranstaltungen

Teilnehmer an dieser und an anderen Aktionen bestätigten uns, dass sich alles insgesamt als eine “Runde Sache” präsentierte. Wir als “Orgateam” meinen auch, die Einbeziehung unserer ausländischen Mitbürger ist uns gelungen. Im Vorfeld unserer Aktionen haben wir durch persönliche Besuche versucht, speziell unsere ausländischen Mitbewohner einzuladen und zu motivieren, einen aktiven Part innerhalb der geplanten Veranstaltungen zu übernehmen. Dabei war die Palette der verschiedenen Angebote durch und durch bunt gemischt. Angefangen mit lettischem Tanz, kurdischem Kochen mit Kindern, Videofilm und anschließender Diskussion, Ausstellungen und Musikabenden, waren die Veranstaltungen so konzipiert, dass alle Teilnehmer sich jeweils mit für sie fremden Kulturen beschäftigten.

Natürlich haben wir auch kritischen Tönen Raum gelassen. Sichtbar bzw. hörbar im positiven Sinne, wurde dies auf dem Erntedankfest im Rahmen einer Diskussionsrunde, geleitet von Dr. Kajo Schukalla, in der Ausländer verschiedenster Nationen über ihre ersten Tage und Erfahrungen in Deutschland sprachen. Nur wer schon einmal eine Veranstaltungsreihe in dieser Länge und Vielfalt gestaltet hat, kann ermessen, wie viel “Schweiß” bei den Beteiligten dabei geflossen ist.

Schön wäre es, wenn bei zukünftigen Feiern, sei es seitens des Vereins oder auch im Rahmen unserer Kooperation mit Schulen und Gemeinden, die Bereitschaft zur Mithilfe größer ist, damit die “Last der sicherlich auch schönen Arbeit” nicht immer auf den gleichen Schultern liegt.

Für den Runden Tisch i.V. Stefanie Ehling

Sommerfest mit allen Sinnen genossen

Pure Lebensfreude

Zum Sommerfest 2001 lud der SV Blau-Weiß Aasee auf die Insel. Eine Insel im Aaseeviertel? Was es damit auf sich hatte, erklären Birgit Runge und Lothar Zimmermann, die das Organisationsteam leiteten.

Am letzten Wochenende der Sommerferien war es wieder soweit: Mitglieder und Gäste von BW Aasee trafen sich zum gemeinsamen Spielen, Tanzen, Malen, Essen und Klönen auf dem Vereinsgelände. Wie jedes Jahr beim Sommerfest fanden das Fußballturnier und ein Kinderflohmarkt statt.

Etwas war anders als sonst
Das Sommerfest war im ganzen Viertel plakatiert mit der verlockenden Einladung “Komm auf die Insel” und versprach, “ein Tag voll Bewegungsfreude und Urlaubslaune für die ganze Familie” zu werden. Die bunten Plakate und Flyer und auch die Idee, auf die “Insel” einzuladen, stammten aus einem Bundesmodellprojekt der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren, dem sich der SV Blau-Weiß Aasee angeschlossen hatte. Das Bild von der Insel kam da nicht von ungefähr: Einerseits bietet das Motto viele Gestaltungsmöglichkeiten für ein fröhliches und bewegtes Fest und weckt viele angenehme Vorstellungen, andererseits sollte damit aber auch der Gedanke transportiert werden, dass ein Verein tatsächlich so etwas wie eine Insel sein kann. Eine Insel, auf der ein lebendiger, freier, fröhlicher, solidarischer, selbstbestimmter und aktiver Lebensstil gepflegt wird und auf der Kinder, Jugendliche und Erwachsene Schutz suchen können vor dem konsumbestimmten “Lifestyle” des “Festlands”.

Buntes Programm auf der Insel
Nachdem die letzten Sommerfeste etwas schwächelten, kam diese Idee gerade recht. Nach anfänglichem Zögern und einiger Skepsis im Verein sprangen außer Hugo und mir doch noch einige Mitstreiter ins Boot. Ein Vorbereitungsteam von inzwischen 10 – 12 Leuten organisierte einen Tag voll Bewegung und Urlaubslaune für die ganze Familie mit (zu) vielen Workshops, freien Bewegungsmöglichkeiten, Vorträgen und vielem mehr. Trotz herrlichen Schwimmbadwetters nahmen viele das Angebot wahr. Beim Boule trafen sich Anfänger und Könner zum gemütlichen Spiel. Wer es flotter liebte, war bei Kirsten gut aufgehoben. Die Trendsportart Thai-Box begeisterte jung und alt. Die Kinder tobten wie immer am liebsten auf der Hüpfburg, aber auch Aquarellmalerei, Basteln und Volleyball oder der Bau eines Regenmachers wurde gut angenommen. Mit großer Begeisterung beteiligten sich die Jungen und auch einige Mädchen bei der Bogenschieß-Inszenierung von Irmgard Fleischer. Auf dem “Marktplatz”, dem Zentrum des Geschehens, wurden die Sieger geehrt und zum Ritter geschlagen. Hier wurden auch kleine Ausschnitte aus den Workshops demonstriert und Preise verliehen.

Damit Träume nicht platzen
Die ernste Seite des Themas wurde von der Fachstelle für Prävention der Stadt Münster aufgegriffen, die zusammen mit dem Kommissariat Prävention beim Polizeipräsidenten und dem Stadtteilbüro Südviertel unter anderem ein Quiz und die Luftballonaktion “Damit Träume nicht platzen” durchführte. Viele Broschüren und eine Plakatreihe mit Hintergrundinformationen standen interessierten Besuchern zur Verfügung. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Suchtprävention und Gesundheitsförderung hatte bereits im Vorfeld des Festes dazu geführt, dass der SV Blau-Weiß Aasee das Team “Kinder stark machen” des Ex-Olympiasiegers Dr. Harald Schmid zu einer Schulung nach Münster eingeladen hatte. Auf dem Fest war das Thema aber nicht nur in Form von Informationen präsent, sondern auch dadurch, dass ganz bewusst einmal auf Bier, Cola, Fanta, Pommes und Würstchen verzichtet wurde. Und siehe da, es ging nicht nur, sondern wurde zu einem ganz besonderen Renner: Die Vitamincocktails und Milchshakes – liebevoll und aufwändig zubereitet – fanden reißenden Absatz und etliche Eltern fanden es besonders erfrischend, dass das Fest bis zum Beginn des Abendprogramms “drogenfrei” war. Das internationale Speiseangebot von Moussaka, Pizza, afrikanischen Spezialitäten und vielem mehr fand viele neugierige und begeisterte Abnehmer und verbreitete einen angenehmen Geruch über das Gelände.

Afrikanisch am Abend

Die Krönung des Sommerfestes wurde das von Mutoto gestaltete Abendprogramm. Dicht gedrängt lauschten die Gäste dem Jugendtanztheater “Cactus” mit dem Stück “Fett”. Bei lauen Temperaturen und afrikanischen Trommelklängen kam das richtige Urlaubsfeeling auf.
Das Sommerfest hat wohl bei den meisten der gut 1000 Teilnehmer angenehme Erinnerungen hinterlassen. Viele fragten bereits nach einer Wiederholung in 2002.
Der Gedanke der Insel wird fortwirken. Wir wissen, dass Sport allein keinen Schutz gegen Suchtgefahren darstellt, wohl aber die sportliche Gemeinschaft und der durch sie geförderte vitale Lebensstil. Deshalb arbeitet der SV Blau-Weiß Aasee in der Projektgruppe “Leben Pur – mit allen Sinnen leben” weiter an zukunftsorientierten Lösungen.

Birgit Runge und Lothar Zimmermann

Leichtathletik

Alte Sportart neu entdecken

Dirk Henning und Michael Sechelmann bieten Leichtathletik für Kinder im Rahmen der sportmotorischen Grundausbildung und als eigenständigen Kurs bei Blau-Weiß Aasee an. Hier stellen sie „ihre“ Sportart und ihr Konzept vor.

Eine neue, alte Sportart ist seit dem Ende der Sommerferien diesen Jahres im Angebot von Blau-Weiß Aasee zu finden – Leichtathletik. Kurz vor den Sommerferien war es noch eine vage Idee, die aber dank des Interesses im Verein zumindest erst einmal theoretisch er¬möglicht werden konnte.

Seit den Sommerferien existieren nun zwei Gruppen: Eine im Rahmen der sportmotorischen Grundausbildung mit Schwerpunkt auf Leichtathletik und eine weitere, ausschließliche Leichtathletikgruppe.
Beiden Gruppen liegen in etwa dieselben Ziele zugrunde, nämlich die Kinder an die Leichtathletik heranzuführen und sie auf längere Sicht auf das Sportabzeichen vorzubereiten.

Die Leichtathletik ist eine sehr alte und traditionelle Sportart und unserer Meinung nach gehört sie auch in den Angebotskanon eines Mehrspartenvereins hinein. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich spielt sie eine bedeutende Rolle, weil sie den Kindern eine vielfältige Möglichkeit bietet sich zu bewegen, und der Körper wie auch im Bereich des Turnens ganzheitlich motorisch geschult wird. Daher fügt sich das Angebot “Leichtathletik” auch gut in die sportmotorische Grundausbildung ein. Laufen, Werfen und Springen, das sind die drei großen Gebiete, mit denen wir uns und die Kinder beschäftigen werden.

In der sportmotorischen Grundausbildung mit leichtathletischem Schwerpunkt versuchen wir vor allem, die Kinder erst einmal spielerisch an das Feld der leichtathletischen Disziplinen heranzuführen. In den Stunden legen wir großen Wert darauf, die Kinder viel laufen zu lassen und nebenbei für die Kräftigung der am meisten beanspruchten Muskulatur zu sorgen. Das Angebot wurde von Anfang an gut angenommen und es sind im Durchschnitt immer 13-15 Kinder anwesend, die auch mit Spaß bei der Sache sind. Wir sind allerdings gern bereit, immer mal interessierte Kinder (und Eltern) bei uns hereinschauen zu lassen und auch aufzunehmen. Die Gruppe ist ausgerichtet auf Kinder im Alter von 8-10 Jahren (3. und 4. Klasse). Die Übungszeit für diese Gruppe ist montags von 14:30 bis 15:45 Uhr in der Halle der Bonhoefferschule.

Die zweite Leichtathletik-Gruppe ist wie gesagt auf dieselben Ziele ausgerichtet. Da uns für diese Gruppe allerdings leider nicht so viel Zeit zur Verfügung steht und die Kinder auch schon etwas älter sind (Alter: 10-13), ist das Programm nicht so spielerisch gestaltet. Die Gruppe kann dringend Verstärkung gebrauchen. Wir freuen uns also über jeden, der mal Lust hat in unser Training hineinzuschauen, da wir bis jetzt leider nur vier begeisterte Kinder in dieser Gruppe betreuen. Die Trainingszeit für diese Gruppe ist montags von 15:45 bis 16:45 Uhr und wir trainieren im Moment noch auf der Sportanlage an der Bonhoefferschule, weil für uns noch keine Hallenzeit zur Verfügung steht.
Aber traut euch ruhig trotzdem!
Eure LA-Übungsleiter
Dirk Henning und Michael Sechelmann


Einführung der 11er-Zählweise

Tischtennis erfährt Revolution

Seit dem 01.08.2001 gelten weltweit und in jeder Liga neue Regeln. Als wichtigste Neuerung wurde die 11er-Zählweise eingeführt. Da ist es gut, einen Überblick von einem Profi zu bekommen. Jugendspieler Johannes Hörst stellt das neue Regelwerk vor.

Hier sind alle neuen Regeln auf einen Blick:

Ein Satz endet bei 11 Gewinnpunkten.
Ein Spiel geht um 3 Gewinnsätze.
Bei 10:10 geht ein Satz in die Verlängerung, in der man zum Sieg zwei Punkte Vorsprung benötigt.
Die maximale Anzahl der Sätze in einem Spiel muss ungerade sein.
Das Aufschlagrecht wechselt alle zwei Punkte, nur in der Verlängerung nach jedem Punkt.
Im Entscheidungssatz werden beim Erreichen des fünften Punktes die Seiten gewechselt, wobei dann auch im Doppel der Rückschläger gewechselt wird.
Die Wechselmethode (Zeitspiel) tritt in Kraft, wenn ein Satz nach 10 Minuten noch nicht beendet ist, es sei denn beide Spieler haben bereits 9 Punkte oder mehr erreicht.
Seit den letzten Olympischen Spielen werden 40-Millimeter-Bälle benutzt.
Nach jedem Satz werden die Seiten gewechselt, die Spieler können dabei eine Pause von bis zu einer Minute einlegen.
Die Handtuchunterbrechung kann in jedem Satz nach 6 Punkten genommen werden, dazu noch beim Seitenwechsel im Entscheidungssatz.
Die Regelungen zum Time-Out bleiben wie bisher bestehen (einmal eine Minute pro Spiel).

Warum nur noch bis 11?
Tatsache ist, dass Tischtennis als sogenannte Randsportart ein Schattendasein führt. Unser Sport wird in der Öffentlichkeit mehr als organisiertes Freizeitvergnügen denn als ernstzunehmender Hochleistungssport wahrgenommen. Hand aufs Herz: Wer von uns ist nicht schon einmal mitleidig belächelt worden, wenn er im Freundeskreis erzählt hat: Mein Sport ist Tischtennis. Das negative oder gar fehlende Image betrifft nicht nur wenige Profis, denen die Fernseheinnahmen fehlen, sondern uns alle: So haben wir zum Beispiel in den Vereinen auch deshalb Nachwuchssorgen, weil es vielen Kindern und Jugendlichen einfach nicht attraktiv genug erscheint, Tischtennis zu erlernen. Man kann seine Vorbilder nicht im Fernsehen bewundern – wenn man sie überhaupt kennt. Als Fußballer hingegen ist man sich der Bewunderung seiner Klassenkameraden sicher.

Die Entscheidung für eine neue Zählweise ist Teil eines Reformpaketes des Weltverbandes ITTF, den Präsident Adham Sharara als Drei-Punkte-Plan bezeichnet: Den Auftakt machte nach den Olympischen Spielen die Einführung des 40-Millimeter-Balles, der das Spiel etwas verlangsamt. Im zweiten Schritt erfolgt nun die Änderung der Zählweise, die mehr Spannungsmomente schafft, und in der Saison 2002/2003 soll dann die ebenfalls in Osaka beschlossene neue Aufschlagregel (Der Arm darf nicht mehr den Ball verdecken) mehr Transparenz für Rückschläger und Zuschauer schaffen. Ziel des Reformpaketes ist eine Attraktivitätssteigerung unseres Sports und damit verbunden eine weltweite Popularitätssteigerung und Imageverbesserung über eine verbesserte und häufigere Darstellung in den Medien. Shararas Reformen sind kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Wird Tischtennis dadurch seinen Charakter verlieren?
Der Charakter wird in gar keinem Fall verloren gehen, allenfalls die Spieldramaturgie könnte sich ändern. Die Spielentwicklung wird nun nicht mehr nur innerhalb eines Satzes stattfinden, sondern sich über Sätze hinweg gestalten. Sie gestaltet sich sogar zum Vorteil, beispielsweise in einem Mannschaftsspiel: Wer früher in einem Satz sehr schnell sehr hoch in Rückstand geriet, dessen Gegner hatte bei Satzgewinn direkt 50 Prozent der notwendigen Punkte zum Sieg für sich verbucht; jetzt ist es nur noch ein Drittel. Natürlich wir die neue Regel auch Änderungen im taktischen Bereich mit sich bringen, aber nur weil das neu ist, muss es ja nicht schlecht sein. Im Gegenteil: Man kann dies ja auch als Reiz, als Herausforderung für das eigene Spiel betrachten.
Johannes Hörst