Der Aaseher Winter 2009/2010
Der Aaseher Winter 2009/2010 - Ausgewählte Beiträge



25 Jahre Vorsitzender des SSB
Interview mit Prof. Günter Willmann

Abschied von Beo Theo
Bahr‘s Zoologisches Fachgeschäft schließt

Literarische Reise im Bistro54
Okzitanischer Abend



Interview mit Prof. Günter Willmann

25 Jahre Vorsitzender des SSB



Es ist ein Jahr der Jubiläen: Der Stadtsportbund (SSB) Münster feierte 2009 sein 90jähriges Bestehen und seit 25 Jahren heißt der Vorsitzende Prof. Günter Willmann. Im Interview verbindet Prof. Willmann den Rückblick auf die vergangenen Jahre und den Ausblick auf die sportpolitische Zukunft zu einer kritischen Bestandsaufnahme.

Der Aaseher: Wie kam es vor 25 Jahren dazu, dass Sie Vorsitzender des SSB wurden?

Prof. Günter Willmann: Traditionell gab es vielfältige - auch personelle - Verflechtungen zwischen dem Stadtsportbund und der Westfälischen Wilhelms-Universität/Fachbereich Sport. Nach dem Unfalltod von Institutsdirektor Gerhard Nacke-Erich wurde ich angesprochen. Mit meinen Erfahrungen im Hochschulsport, auch international, und in der DLRG wollte ich mithelfen, Münsters Sport weiter nach vorne zu bringen.

Welche Bedeutung hatte der Sport in Münster zu Beginn Ihrer Amtszeit, welche hat er heute?

Münster galt durch die Initiative des damaligen Sportamtsleiters und heutigen Vorstandskollegen Siegfried Winter als „Stadt des Breitensports“ mit guter Sportinfrastruktur. Durch die Trias, einige sagten damals „Sportmafia“, mit Sportausschuss, Sportverwaltung und Sportselbstverwaltung gelang vieles, aber leider nicht alles. Der SSB hatte keinen hohen Status, auch nicht in der Politik. Defizite im Bereich des Leistungssports, oft auch im Zusammenhang mit geeigneten Sportstätten, sind bis heute erhalten geblieben oder haben sich gar verschärft. Die nachfolgenden Sportarten, in denen Münster einmal zumindest zur nationalen Spitze zählte, sind heute als Spitzensport fast in der Versenkung verschwunden: Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Männer-Volleyball.
Münster war nie eine „Sportstadt“. Stadtmarketing unter Einbindung des Sports fand und findet nur punktuell statt.

Würden Sie Münster heute als Sportstadt bezeichnen? Wenn ja, wo würden Sie Münster in einem bundesweiten Ranking einordnen?

Leider ist Münster auch heute aus meiner Sicht immer noch keine Sportstadt, obwohl viele Münsteraner/innen Sport treiben, Mitglied in Sportvereinen und sportinteressiert sind.
Eine Sportstadt macht sich an Sportstätteninfrastruktur, auch für den Leistungssport, an Events mit überregionaler Bedeutung, an leistungssportlichen Aushängeschildern und Sportarten, an sportlicher Präsenz in der Politik und an vielen anderen Dingen fest. Hier gibt es weiterhin viele Defizite in unserer Stadt. Bundesweit fällt Münster als Breitensport-Stadt auf (oder auch nicht), sonst wohl eher kaum. Da ist es schön, dass aktuell eine Goldmedaillengewinnerin wie Ingrid Klimke die Lethargie durchbricht. Auch das Sportinternat, in Verbindung mit der NRW-Sportschule Pascal, ist nach langem Kampf auf dem Weg, den Sportvereinen leistungssportlich auf die Beine zu helfen, so dass man in Richtung Leistungssport etwas optimistischer in die Zukunft schauen darf.

Welches sind die wichtigsten sportpolitischen Ereignisse und Entscheidungen und welches die schönsten persönlichen Erlebnisse Ihrer Amtszeit?

Sportpolitisch:
Einführung der Hauptberuflichkeit beim SSB Münster 1988
Übertragung von Sportfördermitteln an den SSB durch die Stadt Münster 1994
ordentliche Mitgliedschaft des Stadtsportbundes im Sportausschuss seit 2004
ordentliche Mitgliedschaft der Sportjugend im SSB im Ausschuss Kinder, Jugendliche und Familien im Jahr 2004
mehr als 80.000 Mitglieder in den SSB-Vereinen 2004
Pakt für den Sport in Münster zwischen Stadt und SSB 2005
Sportinternat Münster mit NRW-Sportschule Pascal-Gymnasium 2009/2010

Persönliches:
Der Bezug und die Eröffnung des „Haus des Sports“ des Stadtsportbundes, der Sportjugend und des Bildungswerks 2003/2004
Der langjährige, offene und vertrauensvolle Umgang im Vorstand des SSB und in seinen Arbeitskreisen und die Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen im SSB
Freundschaftliche Verbindungen hinein in Sportvereine, Sportfachverbände, Stadt- und Kreissportbünde und den LSB NRW.

90 Jahre SSB sind eine Erfolgsgeschichte, weil …

… der Sport in Münster einen großen Stellenwert in der Bevölkerung besitzt: 85 % Sportinteressierte und Sporttreibende in Münster; 31 % Organisationsgrad im SSB Münster und damit der höchste bei den Stadtsportbünden im Lande NRW bei Städten zwischen 250.000 und 400.000 Einwohnern - 196 Sportvereine im SSB mit mehr als 85.000 Mitgliedern - vor zwanzig Jahre waren es 67.000, vor 40 Jahren 27.000; mehr als 5.000 ehrenamtliche Mitarbeiter in den Sportvereinen; mehr als 200 verschiedene Sportangebote in Münster; ca. 50 vereinseigene Sportanlagen in unserer Stadt…

Vor welchen Herausforderungen stehen aus Ihrer Sicht Vereine und SSB in den kommenden Jahren?

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Sportvereine auch weiterhin Rahmenbedingungen vorfinden, die es ihnen ermöglichen, „Sport für alle“ zu realisieren. Dafür ist es notwendig, ausreichend und angemessene Sportstätten sowie eine ausreichende finanzielle Ausstattung zur Verfügung zu haben. Die herausragende Bedeutung des Ehrenamts muss immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden! Die „Belastungen“ der Sportvereine durch zunehmende gesellschaftliche Ansprüche müssen zu verkraften sein! Als Stichworte seien hier Integration, Bewegungsmangel, Sport im Ganztag, Sozialisation, demographische Entwicklung, Leistungssport und zunehmende „Kundenansprüche“ genannt.

Und was kann Münsters Sport in Zukunft von Ihnen erwarten?

Ich habe rechtzeitig bekannt gegeben, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr für eine Wiederwahl als Vorsitzender des Stadtsportbundes Münster zur Verfügung stehe. Selbst-verständlich bleibe ich dem SSB auch nach 26 Jahren Vorstandstätigkeit verbunden und stehe bei Bedarf mit Rat und Tat zur Verfügung.

Welche Sportart sehen Sie sich persönlich gerne live oder im Fernsehen an?


Alles, was der Leistungssport zu bieten hat, insbesondere Leichtathletik, Schwimmen und Fußball.
Finden Sie zwischendurch noch Zeit, ein Buch zu lesen? Welches können Sie empfehlen?
Dadurch, dass ich mittlerweile Funktionen im Landessportbund und bei der DLRG nicht mehr wahrnehme, finde ich wieder mehr Zeit zum Lesen. Aktuell lese ich von Heinrich Böll: „Irisches Tagebuch und andere Prosa-Stücke“, zum „Nachlesen“ empfohlen.
Günter Willmann, 21.10.2009


Bahr‘s Zoologisches Fachgeschäft schließt

Abschied von Beo Theo


Nach Sport Gerstner verliert die Hammer Straße mit Bahr‘s Zoologischem Fachgeschäft innerhalb kurzer Zeit einen weiteren traditionsreichen Laden und der SV Blau-Weiß Aasee einen langjährigen Förderer. Inhaber Bernhard Gans, Beo Theo und Wels Spati verabschieden sich in Wort und Bild.

Bernhard Gans, Jahrgang 1943, beendete seine Schulzeit in Soest 1964 mit dem Abitur. Nach absolviertem Wehrdienst zog er 1966 nach Münster. Für fünf Jahre hatte er einen ersten Laden an der Warendorfer Straße, bevor er 1974 Inhaber von Bahr‘s Zoologischem Fachgeschäft an der Hammer Straße wurde.

Der Aaseher: Wie kam es dazu, dass Sie Zoofachhändler wurden?

Bernhard Gans: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Was hat sich im Laufe der Jahre in Ihrem Geschäft verändert?

Früher gab es viele kleinere Fachgeschäfts in Münster, heute nur noch Zoosupermärkte, die alle anderen verdrängen. Diese scheuen zwar die Arbeit mit den lebenden Tieren, können aber die sonstigen Waren aufgrund entsprechend größerer Mengen günstiger anbieten als ich. Mit mir stirbt in Münster der Zoofachhandel aus.

Gibt es eine schöne Geschichte, evtl. von Tieren oder auch Kunden, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen sind, wovon Sie dem „Aaseher“ berichten möchten?

In unserem Geschäft muss auch am Sonntag gefüttert werden. Da unser Beo Theo - wahrscheinlich auch unter Ihren Lesern - viele Verehrer hat, wird er auch an Sonn- und Feiertagen besucht. Da der Laden ja geschlossen ist, müssen die Besucher mit Theo durch die Schaufensterscheibe kommunizieren. Es ist dann immer sehr schön zu beobachten, wie verlegen die Leute dann werden, wenn sie merken, dass im Laden jemand ist, der sie beobachtet.

(Wie) Geht es weiter mit dem Zoogeschäft Bahr?

Bisher ist kein Nachfolger in Sicht. Man hat viel Arbeit und wenig Gewinn.

Haben Sie Pläne für Ihren Ruhestand?

Ich werde versuchen - wenn erwünscht - erreichbar zu bleiben (Handy-Nr. 0160-2 53 41 11), insbesondere für die Probleme der Gartenteichbesitzer. Wir selbst haben einen großen Garten mit viel Wasser. Im Winter geht es nach Ägypten. Und Machu Pichu möchte ich noch einmal sehen. Um meine Reisewünsche zu erfüllen, ließ mir die Arbeit bisher keine Gelegenheit.

Treiben Sie Sport oder haben Sie Berührungspunkte zum Sporttreiben?

Mit 12 Jahren habe ich angefangen, Handball zu spielen, hier in Münster habe ich bei Germania Mauritz gespielt. Jetzt spiele ich noch Altherren-Fußball in Gelmer.

Gibt es einen Schlussverkauf? Was empfehlen Sie Ihren Kunden?

Ab dem 15. November gibt es einen Schlussverkauf mit stark heruntergesetzten Preisen (ausgenommen Tiere und Futtermittel).



Okzitanischer Abend

Literarische Reise im Bistro54


Mit Okzitanien kann man den Sprachraum bezeichnen, in dem die okzitanische Sprache beheimatet ist. Okzitanien umfasst zwölf Täler in den italienischen Alpen, 32 Departements in Südfrankreich und ein Tal in den spanischen Pyrenäen.

Nach einer kurzen Einleitung nimmt Kay Wagner die Zuhörer mit auf eine Reise, die er im Herbst 2008 auf der Suche nach Spuren des Okzitanischen unternommen hat. Ein lebendiger Vortrag, bei dem man fast meint, all die Menschen, die er auf seiner Reise getroffen hat und die er in seinem Buch vorstellt, wären vor Ort und würden selber erzählen, wie sie sich um den Erhalt der Sprache bemühen. Und er hat viele Menschen getroffen, darunter Musiker, Schriftsteller, Barbesitzer, Redakteure, Professoren, Bürgermeister, Studenten …
Eingestreut werden historische Hintergründe und Zusammenhänge sowie persönliche Reiseerlebnisse. Ein Streik der französischen Eisenbahn bringt den Terminkalender durcheinander und erfordert Improvisationstalent. Hier und da unterstützt Kay Wagner seinen Vortrag mit Karten und Fotos. Gerade soviel, dass man einen guten Eindruck bekommt, aber nicht von der Lesung abgelenkt wird.

In der Pause wird die Sehnsucht, tatsächlich selber auf die Reise zu gehen noch verstärkt. Es läuft Musik okzitanischer Bands - das passt sehr gut, denn Okzitanisch war auch die Sprache der mittelalterlichen Trobadors. Das Bistro serviert südfranzösische Spezialitäten: Ratattouille de Maison, Cassoulet de Castelnaudary und Salat Trobador. Dazu okzitanischen Wein und okzitanisches Bier aus Mikrobrauereien in der Gegend von Toulouse.

Nach der Lesung kommt sofort eine lebhafte Diskussion in Gang. Insbesondere ein Vergleich zur Situation der Bretonen wird besprochen. Wer dann noch will, lässt den Abend bei einem OC Ale oder Brocol im Gespräch am Tresen ausklingen. Und man denkt, so wird es wohl auch im L‘Estanquet de la Portièra, einer okzitanischen Kneipe in Toulouse, zugehen.


Kay Wagner
Okzitanien
Auf den Spuren einer bedrohten Sprache
Reisebericht
Paperback, 192 Seiten, 13,95 EUR
Books on Demand, Norderstedt 2009
ISBN 978-3-8370-9242-4