Der Aaseher Februar 1991
Der Aaseher Februar 1991 - Ausgewählte Beiträge


Feldhausabriß
  Abriß der Feldhäuser eine beschlossene Sache?

Lust und Leistung
  Lust an in auf über durch mit ohne Leistung

Konflikt und Sport
  Organisierte Konfliktbewältigung oder die stabilisierende Funktion des Sports

Zustände
  Leserbrief

Abriß der Feldhäuser eine beschlossene Sache?

Feldhausabriß

-omi-

Für die Stadtverwaltung ist die Angelegenheit völlig klar. Die Feldhäuser hinter der Stephanusschule müssen weg. Nach 28 Jahren ist das Ende der Lebensdauer dieses Gebäudes in Leichtbauweise erreicht: Die Fenster können herausfallen, das Dach, die Außenwände, die Fußböden (partiell) sind mürbe, aufgebraucht, abgängig. Wie uns der Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven, der Oberstadtdirektor Dr. Tilman Pünder in ausführlichen persönlichen Briefen mitteilten (Dank für ihre Mühen), belaufen sich die Renovierungskosten auf ca. 800000 – 1 Million DM. Das ist wirtschaftlich nicht zu vertreten. Der Abriß ist für den Oktober 1990 vorgesehen.

Bei dem von der Stadtverwaltung so gezeichneten desolaten Bild verwundert es, daß sich die Eltern der beiden Kindergruppen und der Sportverein Blau-Weiß Aasee so gegen den drohenden Abriß des Pavillons aufbäumen. (Die Gründe für das Verbleiben der Gruppen wurden im letzten „Aaseher“ ausführlich dargestellt). Wie aus der Vielfalt der Leserzuschriften und der ausführlichen Berichterstattung der WN und der MZ zu ersehen ist, wissen die Gruppen zwar, daß sie in keinem Renommierstück Münsters untergebracht sind, jedoch können sie den Ausführungen der Stadtverwaltung in fast keinem Punkt folgen. Mißverständlich auch folgendes: Nach dem Bauzustandsbericht auf der Bezirksvertretung Mitte November 1990 stellte der SPD-Ratsherr Wolfgang Scherer den Antrag, bei den genannten Sicherheitsbedenken den Pavillon sofort zu schließen, was die Verwaltung dann jedoch veranlaßte, die Mängel weniger gravierend darzustellen.
Ein folgender Ortstermin im Dezember 1990 überzeugte die geladenen Vertreter aller Parteien – die SPD, FDP, GAL erschienen –, die Kindergruppen und Blau-Weiß Aasee (BWA) in der Bezirksvertretung Mitte zu unterstützen. Unter großer Bürgerbeteiligung in der folgenden Sitzung konnte sich die Verwaltung mit ihrem Vorschlag zum Abriß nicht durchsetzen. Verwundert hörten die politischen Vertreter, daß die Verwaltung noch im selben Jahr die Renovierungskosten auf etwa 180.000 DM beziffert hatte. Weiterhin wurde von den Kindergruppen ein Gegengutachten erstellt, das die Fundamente als stabil und nur wenige Bauteile als „auszutuschen“ bezeichnet hatte. Der Antrag von SPD, FDP und GAL, 300.000 DM an Haushaltsmitteln für eine Renovierung bereitzuhalten, wurde mit 10 Pro-Stimmen (SPD, GAL, FDP), 6 Enthaltungen (CDU) und 2 Gegenstimmen (CDU) angenommen.
Für Außenstehende mag diese Summe als immens groß erscheinen. Zu bedenken ist allerdings, daß die Gruppen zugesagt haben, sich durch erhöhte Mieten zu beteiligen, weiterhin nur das Notwendigste auszutauschen, so daß der Betrag von 300.000 DM nur eine obere Grenze ist.
Außerdem muß darüber nachgedacht werden, was allein der Neubau oder die Renovierung eines Kindergartens mit ca. 30 Plätzen, teils mit integrativer Betreuung, kostet.
Doch nur wenige Tage später kam es zum „Aus“ für die Pavillons. Der Haupt- und Finanzausschuß der Stadt Münster stellte sich gegen den Antrag der Bezirksvertretung Mitte und somit gegen die Bereitstellung von Haushaltsmitteln. Und dies bedeutet, daß eigentlich etwas Widersinniges passiert: In einer Zeit, wo die augenblickliche und zukünftige Wohnraumsituation in Münster wegen der vielen neuen Mitbürger schon dramatisch ist, macht der, der jetzt Gebäude ohne Ersatz abreißt, dieses Drama erst zur Farce. Und Ersatz, da mag der Wille der Stadtverwaltung bei der Suche nach Ersatzräumlichkeiten noch so gut sein, ist nicht in Sicht.
Hier wird Privatinitiative, von der Stadt auch in kinder- und jugendpolitischen Bereichen erwünscht, erstickt.
Auch wenn die Kindergruppen und BWA den Realitäten ins Auge blicken müssen, also den Stimmenverhältnissen im Rat der Stadt, hoffen sie doch noch auf Einsicht der Stadtverwaltung.


Lust und Leistung

Lust an in auf über durch mit ohne Leistung

Georg, Norbert und Frank reden über ihre Lust
Das war schon auffällig in der ersten Ausgabe des AASEHERS. Alle Abteilungen suchten ihre Positionen zwischen Lust auf der einen und Leistung auf der anderen Seite zu definieren. Dabei entstand zuweilen der Eindruck, die Lust ist dann am größten, wenn am wenigsten geleistet wird. Soll das wahr sein? Entsteht die Lust nicht erst durch Leistung? Wächst die Leistung nicht mit der Lust? Um Antworten zu erhalten, sehe ich im Sportlexikon nach: Leistung = Kraft mal Weg durch Zeit – und Lust? Fehlanzeige! Nun, was liegt näher, als die Sporttreibenden selbst nach ihrer Lust im Sport zu fragen. Hier die Antworten von drei Fußballern auf die Fragen: Was bereitet Dir Lust am Fußballspiel? Welche Rolle spielt die Leistung?

Georg Janzing
(wortreicher Spielertrainer und Terrier der 2. Mannschaft)
Du kannst nur gut sein, wenn der mentale Bereich auch stimmt, und der mentale Bereich hat mit Lust und Libido zu tun. Die Befriedigung muß da sein, das non plus ultra ist die satisfaction.
Was ist für mich Lust? – Tore, Tore! Es muß so richtig einhämmern. Lust ist, wenn die Kugel im Netz zappelt; und die Leute und das Pils nachher trinken, das ist auch Lust; und gelungene Spielzüge. Der Sieg muß nicht immer sein. Er ist am schönsten, klar. Niederlagen können aber auch total gut sein. Wenn du gegen ’ne super Mannschaft spielst und verlierst knapp und hast alles gegeben, das kann toll sein, weil es ein scharfer Kampf war.
Wenn alle zusammen Lust kriegen, das ist auch Leistung. Eine Leistung für die zweite Mannschaft wäre es, wenn in der Rückserie immer 13 Leute da wären, das wäre eine super Leistung. Das würde auch mehr Lust machen. Eine Leistung wäre es auch, wenn ich nicht ständig rumtelefonieren müßte.

Norbert Kux
(lauffreudiger Mittelfeldmotor der 1. Mannschaft)
Leistung spielt da schon eine Rolle. Lust und Leistung sind nicht voneinander zu trennen. Eine Komponente ist, daß es ein Mannschaftssport ist und daß nicht nur die persönliche Leistung zählt, sondern der Querschnitt der ganzen Mannschaft. Fußball ist ein Spiel, bei dem es um Gewinnen und Verlieren geht, und ich möchte gern gewinnen. Es ist eine echte Auseinandersetzung mit dem Gegenspieler, und man will nicht nur das Spiel gewinnen, sondern auch den nächsten Zweikampf. Da ist die Lust immer wieder der Stärkere zu sein und dies den anderen zu zeigen. Nach einem schönen Beinschuß kann man eigentlich schon duschen gehen. Das macht den Reiz aus, das ist immer wieder prickelnd vor jedem Spiel. Manchmal werden auch persönliche Differenzen auf dem Fußballplatz ausgetragen. Hier ist eine spielerische Ebene, um ernstere Dinge auszutragen.
Bestimmte Dinge zu äußern ist nicht zeitgemäß, z.B. der Stärkere sein zu wollen. Gewinnen darf man noch, aber der Stärkere sein nicht mehr. Auf dem Platz sieht man dann den wahren Charakter. In der Art Fußball zu spielen, spiegelt sich der wahre Charakter wieder. Die Spielweise paßt zu den Leuten. Einige Leute können sich noch so schön über Lust und Leistung auslassen, aber wehe sie verlieren einen Zweikampf oder sie werden leicht gerempelt oder der Schiedsrichter fällt eine Fehlentscheidung, dann ticken sie völlig durch.

Frank Müller

(der „Techniker“ der 1. Mannschaft)
Schwierig, schwierig. – Es hängt viel damit zusammen, wie ich mich mit den Leuten verstehe. Ich kann ein und dieselbe Übung machen und sie kann Lust bereiten, aber manchmal denke ich auch nur, was soll das eigentlich. Wenn ich merke, es ist die Bereitschaft da, etwas zu tun, Leistung zu bringen, sich zu verausgaben, in Schweiß zu kommen, gleich ob Mit- oder Gegenspieler, das steigert die Lust. Wenn ich zum Training gehe, will ich nachher auch ein bißchen kaputt sein, und ich will wissen, daß ich etwas getan habe. Ich muß merken, daß ich belastet bin, aber nicht so, daß ich denke, noch 2 Minuten, dann geht nichts mehr.
Die größte Lust bereiten aber wohl die Kabinettstückchen; wenn du den Ball annimmst und der liegt und du paßt ihn sofort genau weiter. Das ist eine ziemlich große Befriedigung. Das Laufen gehört aber immer dazu.
Auch wenn Fußball ein Mannschaftssport ist, überlege ich mir nach dem Spiel zuerst, wie hast du dich selbst dargestellt. Ich kann auch zufrieden sein, wenn die Mannschaft verloren hat, und ich mit meiner Leistung zufrieden bin. Das ist zwar nicht sehr kollegial, aber ich glaube es geht vielen so, daß sie erst auf ihre Leistungen gucken und dann auf die der Mannschaft.
Wettkampf macht auch Spaß. Es kommt aber darauf an mit wem. Ich mache Konkurrenzkämpfe, aber auf einer spielerischen Basis und das sollte mein Gegenüber auch tun. Wenn das nicht gewährleistet ist, macht es auch keinen Spaß. Ich messe mich dabei lieber mit Leuten, wo ich eher eine Niederlage erwarte. Der Sieg zählt umso mehr, je besser ich die Leute einschätze.
Lust im Fußball ist auch mit aggress verbunden. Nicht so, daß man jemandem in die Beine tritt, aber doch, daß man mit gesteigertem Einsatz versucht, den Ball z kriegen. Das wird natürlich auch als Leistung anerkannt. Früher habe ich das aggressive Verhalten der Gegner nicht als spielerischen Wettkampf verstanden und bin ziemlich schnell ausgetickt, indem ich den Gegner beschimpft habe oder wenn der Schiedsrichter mal nicht geguckt hat … Ich habe die aggressive Art zu spielen erst spät gelernt, ich habe immer versucht, die Aggressivität zur Seite zu schieben.

Interviewt von Andreas Bendel

 

Konflikt und Sport

Organisierte Konfliktbewältigung oder die stabilisierende Funktion des Sports

Die moderne, in hohem Maße dezentral und funktional interdependent organisierte Gesellschaft unterscheidet sich von früheren Gesellschaftsstufen durch die sukzessive Erosion zentraler Konfliktbewältigungsinstanzen. Wurden Konflikte über Jahrtausende durch den planenden Eingriff physischer Gewalt auf die somatische Konstitution eines als unsympathisch perzipierten Interaktionspartners bewältigt – sogenanntes „Hau-Drauf-Theorem“ bzw. die technisch versiertere Beherrschung von Instrumenten zur Anwendung unmittelbaren Zwanges – Knüppel etc. – so führte der zivilisatorische Prozeß zu einer weitgehenden Ächtung dieser Formen der Interessendurchsetzung, wenn auch stärker in den personalen denn staatlichen Austauschprozessen.

Da die nun dominierenden stärker regelgeleiteten Formen einer Konfliktvermeidung – sogenannte „Seid-nett-zueinander-Methode“ – jedoch zu unerwarteten psychischen Ausfallerscheinungen führte – Langeweile, Unruhen, Psychosen – drohte das unterdrückte Konfliktpotential sich ungesteuert in revolutionärer Energie zu entladen. Mit der Erfindung des Sportes im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen gelang in einer historisch beispiellosen gesellschaftlichen Kraftanstrengung eine Kanalisierung und produktive Umformung der Interessendivergenz. Durch die Institutionalisierung eines sowohl temporär -90 Minuten – wie räumlich – ca. 100 x 60 Meter – und personal – 22 Akteure – begrenzten Interaktionsrahmens unter Einsetzung eines auf 68-71 cm Umfang und 396-453 g Gewicht tarierten Konfliktmediums – sogenannter Hohlball mit Lederhülle – sowie einer mit gewissen Kontrollbefugnissen ausgestatteten zusätzlichen Regelungsinstanz – auch Schiedsrichter genannt – konnte sich das angestaute Konfliktpotential strukturiert entfalten.

Hier muß nun bezogen auf die Akteursebene in verschiedene konfliktorganisationstheoretische Typen unterschieden werden. Während der überwiegenden Mehrheit der beteiligten Akteure der bloße Aufenthalt an frischer Luft verbunden mit sich nur gelegentlich steigernder Bewegungsintensität genügt – Typ 1 –, manifestiert eine Restgruppe – Typ 2 – ihr gesteigertes Interesse zusätzlich in der planvollen lokalen Redistribution des Konfliktmediums – sogenannter Torschuß. Eine nicht zu vernachlässigende Minderheit – Typ 3 – interagiert bei mangelnder Kooperationsbereitschaft der Regelungsinstanz zudem in Form gezielt plazierter bidirektionaler Informationsübertragung – „Pfeife“, „Telefon“ etc. Je nach Grad der individuellen Empfindlichkeit reagiert die Regelungsinstanz entweder kooperationswillig oder durch die extensive Nutzung ihres „gelb-roten“ Sanktionspotentials. Nach Beendigung des Interaktionsprozesses wird noch vorhandenes Konfliktpotential schließlich durch die unterstützende Mithilfe eines oder mehrerer flüssig verabreichter Einflußgrößen aufgearbeitet.

Dieser kurze historisch-systematische Abriß belegt, in welch vorbildlicher Weise der Sport zur Stabilisierung unserer Gesellschaft und Hebung der allgemeinen Wohlfahrt beiträgt.

Bernhard Santel


Leserbrief

Zustände

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, gibt es einige Veränderungen in unseren Fußballmannschaften. Bei einem Rückblick auf die Hinrunde unserer Saison wurde deutlich, daß es innerhalb der verschiedenen Mannschaften einige Motivations- und Strukturprobleme gibt. Bedingt durch das Ausscheiden unserer technischen Leiter Bernd Eising und Georg Janzing (famliliäre und berufliche Gründe) bahnen sich große organisatorische Probleme für den Spielbetrieb der II. und III. Mannschaft an.

Am Gefüge der I. Mannschaft sieht man, wie wichtig es ist, einen „professionellen“ Ansprechpartner – Spielertrainer Tom Vetter – zu haben. Dadurch sind die Kompetenzen klar verteilt und die Mannschaft ist strukturiert, so daß ein geordneter und gut organisierter Spielbetrieb stattfindet. Ein Ergebnis der lockeren Organisationsweise war in der Hinrunde, daß in manchen Spielen die II., aber auch III. Mannschaft mit weniger als 11 Aktiven auf dem Platz stand. Dies ist für die wenigen Spieler, die Betreuer und auch für die Gegner kein erfreuliches Bild. Hieraus wird deutlich, daß die Verantwortung in der Fußballabteilung unseres Vereins bisher auf den Schultern weniger, nämlich Hugo, Bernd und Georg verteilt war und ist (Vielen Dank für Euren Einsatz). Das kann nicht so weiter gehen, vielmehr ist jeder einzelne gefordert, Initiative zu entwickeln!!! Wir als selbstverwalteter Verein haben keinen „Funktionärsstab“, der die organisatorischen Aufgaben des Vereins übernimmt. Für uns folgt daraus, daß ein jeder sich über das Fußballspielen hinaus im Rahmen seiner Möglichkeiten engagieren sollte.

Deshalb fordern wir von Euch:
– mehr Eigeninitiative
– Tom, bitte gib am Donnerstag nach dem Training konkret Deine Aufstellung für Sonntag bekannt, daß auch für die anderen Teams die Zeit bleibt, mit den von Dir nicht ausgesuchten Spielern zu disponieren.
– Für die zweite Mannschaft hat sich Michael Wilmsen, ein Mann mit Interesse und Engagement, bereit erklärt, sich um das Team zu kümmern. Falls es jemand nicht schafft, in der Woche zum Training zu erscheinen, ist Michael jeden Freitag zwischen 18 – 22.oo Uhr unter der Telefonnummer 617168 als Ansprechpartner für die Wochenendspiele zu erreichen (Wir sagen Danke schön).
– Aus der Dritten Mannschaft kommt bisher nichts. Keine Trainingsbeteiligung, keine Selbstinfos und kein Interesse. Wenn das so weitergeht, besteht die Gefahr, daß die III. Mannschaft abgemeldet werden muß. Bitte nehmt Kontakt zu Uli Dalkmann auf (Telefon: 663613) und versucht z.B. eine AG bis zum Saisonende zu gründen, so daß zumindest bis zum Ende der Rückrunde der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann.

Wir hoffen natürlich, daß Ihr das schafft!

Michael Wilmsen, Michael Janert, Volker Groschinski,
Spieler der II. und III. Mannschaft