Der Aaseher September 1991
Der Aaseher September 1991 - Ausgewählte Beiträge



Ein Blick in die Geschichtsbücher

So fing es an
  Tischtennis

100 Millionen …?
  Kassenwart – ein einfaches Ressort im Verein?

Lob der Asche



Ein Blick in die Geschichtsbücher

Der Verein Blau-Weiß Aasee (BWA) feiert im Herbst des Jahres 1991 sein 20-jähriges Bestehen.
Angefangen hat alles in Günter Stachowitz Kneipe „Seelord“. Einige Jungs, die ansonsten nicht viel mehr zu tun hatten, als in der gerade neugebauten Aaseestadt herumzustrolchen, kamen auf die Idee, eine Thekenmannschaft zu gründen. Darin wurden sie dann nicht nur durch die Fußballbegeisterten dieses Stadtviertels bestärkt, sondern auch durch den Pfarrer der Aaseestadt, der ihnen gesagt hat, daß sie mal etwas Anständiges machen sollen.

Doch Probleme mit der Stadt bei der Platzvergabe für Thekenmannschaften führten dazu, daß sie sich unter Leitung von Günter Stachowitz dazu entschlossen, einen richtigen Verein zu gründen.
Ein Name war schnell gefunden: „Aasee“ natürlich aufgrund der räumlichen Nähe und „Blau-Weiß“ angeblich aufgrund alter Vorlieben zu einem uns allen bekannten Bundesliga-Verein im Ruhrgebiet.

Und dann wurde fußballgespielt und trainiert. Wie aus sicherer Quelle verlautet, war jetzt nicht mehr die dritte Halbzeit an der Theke ihre eigentliche Stärke, sondern die Schwerpunkte verlagerten sich eindeutig in Richtung ausgefeilte Technik und ausgeklügelte Taktik. Und doch mußten die Laubrocks, Hermanns, Gerritzens, Stachowitz und wie sie alle hießen, eine Menge Lehrgeld zahlen: Im ersten Spiel gegen TuS Altenberge gingen sie gleich mit 1:11 baden, doch schon nach kurzer Zeit konnte der Aufstieg in die Kreisliga B gefeiert werden.

Das war die Zeit, als der Verein noch auf den Sportanlagen der Universität am Horstmarer Landweg trainierte, denn die Sportanlage Aaseestadt war noch nicht fertiggestellt. Dieser Umstand hatte aber den Nebeneffekt, daß viele Studenten in den Verein eintraten.
In der Zwischenzeit wuchs der Verein auf ca. 250 Mitglieder an. Jugendmannschaften wurden ins Leben gerufen, die Tischtennis-Abteilung gegründet.

Dann im Jahre 1978 ein Coup der Fußballabteilung: Fiffi Gerritzen, ehemaliger Nationalspieler, konnte als Coach gewonnen werden. Doch der große Durchbruch in Münsters Fußballszene blieb aus.
Dieser gelang erst ansatzweise, als Verantwortliche des Vereins Fußballspieler, vorwiegend waren es wieder Studenten, mit finanziellen Mitteln in die Mannschaften lockten. Der Aufstieg war vorprogrammiert und es gelang den Fußballern, in die Kreisliga A aufzusteigen; die Tischtennisspieler taten es den Kickern gleich und steigen ebenfalls einige Male hintereinander auf.

Nachdem den Mäzenen und Sponsoren aber die Puste ausging, kam es für den BWA nicht anders als anderen Vereinen, denen das Geld fehlt und die eigentlich über miserable Platzanlagen verfügen: nach kurzen Zwischenspielen in der Kreisliga A unter den Trainern Wolfgang Ring, Siggi Wochnik und Andreas Bendel stieg die 1. Mannschaft bis in die Kreisliga C ab.
Mittlerweile spielten auch die Tischtennisspieler wieder ganz unten, gleichwohl gelang es hier, im Gegensatz zur Fußballabteilung, durch die uneigennützige Arbeit von Sophie Briefs, Alf Kuhlenbäumer und Wolf Aulich eine Jugendabteilung ins Leben zu rufen.

Nachdem es Anfang der 80er Jahre viele Querelen und Unstimmigkeiten gegeben hat, so festigten sich die Strukturen wieder, als Ludwig Wildemann 1982 als 1. Vors. sowie Tina Höpfl und Peter Metzmacher als Geschäftsführer und Kassenwart den Verein verwalteten.
Seriösität und äußerste Sparsamkeit kennzeichneten diese Vereinsführung, der es gelang, Schulden abzutragen und Vertrauen wieder aufzubauen. Dieser langsame Aufschwung zeichnet sich auch in der Mitgliederzahl ab, die weit unter 200 abgefallen war, jetzt aber eine positive Tendenz zeigte. Neben Tischtennis und Fußball entstanden die Volleyball-, Gymnastik- und Turnabteilung, aus denen die recht bekannte Showtruppe „Die Grashüpfer“ hervorgingen.

Zu dieser Zeit verstärkte sich ein Trend, der schon vor Jahren, u.a. durch das Fußballspielen auf den Unisportanlagen, grundgelegt war. Während „Aaseestädter“ gerade in der Zeit der inneren Unruhe den Verein verließen, die Fußballabteilung sogar sämtliche Jugendmannschaften verlor, traten vermehrt Sportinteressierte aus dem studentischen Umfeld dem Verein bei.

Doch die Grenze von 200 Mitgliedern wurde erst wieder im Jahr 1988 überschritten. Die Gründung einer Badmintonabteilung folgte im nächsten Jahr, Anfang des Jahres 1991 dann eine African-Dance-Abteilung.
Wenn auch mittlerweile 300 Personen dem Verein angehören, so möchte der gegenwärtige Vorstand kein Wachsen um jeden Preis.
Vielmehr ist intendiert, mehr Familien in unserem Einzugsbereich (den wir nicht allein auf die Aaseestadt beschränkt sehen, sondern um die uns zur Verfügung gestellten Sportstätten wie z.B. Matthias-Claudius-Schule, v.-Cappenberg-Schule, Sentruper Höhe) zu gewinnen, die bei uns Sport treiben. Wir hoffen, daß sie bei uns eine Atmosphäre vorfinden, die bei aller Individualität der Mitglieder ein wenig an Gemeinschaft erinnert. In diese Richtung gehen dann auch die Aktivitäten der Verantwortlichen. Die neuen Abteilungen (Badminton, African-Dance) wurden auch unter dem Aspekt ausgesucht, ob sie familien- oder partnerschaftsfreundlich sind. Ebenso besteht für alle Kinder ab zwei Jahren nun die Möglichkeit, Sport in unseren Eltern-Kind-Angeboten bzw. in Ballspiel- und Turngruppen zu treiben. Langfristig streben wir an, in allen Sportabteilungen spezielle Jugendabteilungen zu gründen.

Eine weitere Neuerung (seit November 1990) ist die Herausgabe unserer Zeitschrift „Der Aaseher“, den wir nicht als reines Sportmagazin, sondern auch als Stadtteilzeitung verstehen. Trotz der erheblichen finanziellen Belastung, des enormen persönlichen Zeitaufwandes und des zuerst eher bescheidenen Drucks, glauben wir, daß dies die geeignetste Möglichkeit ist, die Anlieger, aber vor allem die Vereinsmitglieder über die Aktivitäten der jeweils anderen Abteilungen zu informieren.

Vor der Tür, im September 1991, ist eine, für unsere Verhältnisse, umfangreiche Sportwoche mit einem Kinderfest und einer ordentlichen Fete (Festakt wäre hier der falsche Ausdruck). Das Programm finden Sie in dieser Ausgabe des Aasehers.
Dann Ende Herbst 1991 folgt eine Fahrt zum Koppelsberg an den Plöner See. Über 40 Schlafplätze stehen uns im Alten Bootshaus auf dem Gelände der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche zu Verfügung. Jedes Vereinsmitglied kann natürlich mitmachen, Kinder fahren voraussichtlich unentgeltlich.

Diese vorgestellten Aktivitäten wären wahrscheinlich nie verwirklicht worden, wenn die Stadt Münster dem Verein vor ca. zwei Jahren nicht einen Raum im Feldhaus hinter der Stephanusschule an der Bonhoefferstraße zur Verfügung gestellt hätte. Erstmals konnte Blau-Weiß Aasee, ohne auf kommerzielle Interessen und Öffnungszeiten von Gaststätten angewiesen zu sein, frei über einen Aufenthalts- und Kommunikationsraum verfügen, der gerade unseren jüngsten Mitgliedern, den Kindern und Jugendlichen, so lange gefehlt hat. Aber auch wir Erwachsenen können uns das „Vereinsleben“ ohne diesen Treffpunkt nicht mehr vorstellen.
Der geplante Abriß – ein Ersatz ist nicht in Sicht – wird mühsam geschaffene Strukturen zerstören und die insgesamt positive Gesamtentwicklung des Vereins beeinträchtigen, wenn nicht sogar beenden.
(Wir berichteten bisher ausführlich über Gründe und Auswirkungen des Abrißes in den vorhergehenden „Aasehern“).
An dieser Stelle nochmals die Bitte an die politischen Gremien und die Stadtverwaltung, das Feldhaus zu erhalten und teilweise zu sanieren.

Doch bevor ich jetzt weitere Wünsche an die Stadtverwaltung herantrage, wie die Umgestaltung des miserablen Ascheplatzes in einen Rasenplatz (was im übrigen viele Aaseestädter veranlassen würde, mehr Sport vor der Haustür zu treiben) und die Ausweitung der Hallenzeiten in der Stephanusschule, der einzigen Sporthalle in der Aaseestadt, von bisher 1 ¼ Std. auf eine höhere Zahl, möchte ich Sie herzlich zu unserer Sportwoche vom 21.09.91-28.09.91 einladen. Wenn Sie kein geeignetes Sportangebot finden, aber vielleicht Anregungen oder Verbesserungsvorschläge haben, sagen Sie es uns, wir freuen uns.

Hugo Domin, 1. Vors.

Tischtennis

So fing es an

So fing es an,
da zur Gründung der Tischtennisabteilung im April 1974 weder Tischtennisplatten noch Turnhallenzeiten zur Verfügung standen, wurden von den ersten Tischtennismitgliedern zwei Platten gekauft. Dieser Betrag wurde durch die Aussetzung des Beitrags vorfinanziert.
Los ging es dann im Keller des Gemeindehauses der Stephanuskirche. Zu den Gründungsmitgliedern der Tischtennisabteilung des SV Blau-Weiß Aasee gehören Dieter Kramer, Wolf-Rüdiger Aulich und etwas später Kurt Kersten und Reinhard Bulk. Sie spielen heute nach 17 Jahren noch in der Herrenmannschaft.
Nach ca. 1/2 Jahr zogen wir dann in die Kellerräume der Stephanusschule um. Erst ein Jahr später bekamen wir eine Stunde von 21 bis 22 Uhr in der neuen Turnhalle der Stephanusschule.

Die Abteilung wuchs allmählich und es wurden Wünsche geäußert, am Meisterschaftsspielbetrieb des Tischtennis-Verbandes teilzunehmen. Endlich im Mai 1976 war es soweit. Blau-Weiß Aasee wurde Mitglied im Westdeutschen Tischtennis-Verband. In der Saison 1976/77 nahmen wir erstmals mit einer Herrenmannschaft an den Meisterschaftsspielen des Kreises Münster/Warendorf teil. Dann ging es stetig aufwärts mit der Abteilung. 1979/80 gab es bereits drei Herren- und zwei Damenmannschaften. Die erste Mannschaft stieg zweimal hintereinander auf bis in die 1. Kreisklasse.
Unter unserem Trainer Bachmann entwickelte sich eine Jugendabteilung. Höhepunkt war ein von uns veranstaltetes großes Kiepenkerl-Tischtennisturnier im Juni 1980 auf der Sentruper Höhe mit ca. 600 Teilnehmern. Dann ging es leider wieder abwärts mit der Abteilung. Die Jugendabteilung löste sich auf und die Damen und Herren stellten nur noch eine Mannschaft. 1985 fanden sich aus unseren Reihen Sophie Briefs und Alfred Kuhlenbäumer bereit, mit der Jugendabteilung neu anzufangen. Der Erfolg nach ca. sechs Jahren: Wir haben zur Zeit ca. 30 Jugendliche, die in einer Schüler- und in drei Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnehmen.

In der neuen Saison können wir zum erstenmal wieder zwei Herrenmannschaften durch „Eigengewächse“ melden, da Frank Bauhaus, Thomas Fülle, Markus Greive und Frank Sabusch dem Jugendbetrieb entwachsen sind. Diese vier „Neu-Herren“ haben in der abgelaufenen Saison zwei Jugendmannschaften maßgeblich zum Aufstieg verholfen. Wir wünschen ihnen und ihren Mannschaftskameraden viel Erfolg in der kommenden Saison. Hoffentlich geht es so positiv weiter.
Wolf-Rüdiger Aulich


Kassenwart – ein einfaches Ressort im Verein?

100 Millionen …?

„Hast Du deinen Beitrag schon bezahlt?“ Mit dieser Frage belästigte der Kassenwart eines Vereins vor 30 Jahren seine Mitglieder (unter dem Arm eine Zigarrenschachtel haltend und von Haus zu Haus hechtend).
Dieses Ritual ist heute nicht mehr notwendig, da fast jedes Mitglied eine Bankverbindung besitzt und diese gnadenlos ausnutzt.

Zunächst sollte man glauben, daß dieses eine Erleichterung, nicht nur für den Kassenwart, bedeutet. Schaut man aber genauer hin (besonders aus der Sicht des Kassenwartes), so wird man feststellen, daß nicht alle Mitglieder die Neuerungen der Zeit voll ausnutzen.
Dieses sind nämlich die Mitglieder, die sich aus verschiedenen Gründen nicht bereit erklären, eine Einzugsermächtigung zu unterschreiben, sprich: Barzahler.
Eigentlich ist aus meiner Sicht gegen Mitglieder, die sich sehr zurückhaltend gegenüber Neuerungen verhalten, nichts einzuwenden, aber nur so lange, wie diese ihren Beitrag auch regelmäßig überweisen.
Gelangen diese Beiträge nicht regelmäßig auf das Vereinskonto, kann der Kassenwart nur schwer nachvollziehen, ob ein Mitglied und für welchen Zeitraum Beitrag bezahlt hat, zumal einige Mitglieder zeitweilig wahllos bestimmte Beiträge überweisen.

Richtig interessant wird die Arbeit des Kassenwartes aber erst dann, wenn aus sicherlich fundierten Gründen lange Zeit kein Beitrag mehr überwiesen wird, was sich mit einigen Stunden meiner Freizeit selbstverständlich kontrollieren läßt. Dann nämlich greift das Mahnverfahren, in dem das Mitglied freundlichst darauf hingewiesen wird, daß es, wahrscheinlich durch eine kleine Unachtsamkeit, die Überweisung des Mitgliedsbeitrages verschwitzt hat.
Daß dieses nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet, sollte jedem eigentlich klar sein. Um den vergeßlichen Barzahlern Mahngebühren und dem Kassenwart Zeit zu ersparen, sollte jedes Mitglied dem Verein eine Einzugsermächtigung zur Verfügung stellen.

Bernd Eising, Kassenwart


Lob der Asche

Im Rahmen einer Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum unseres Sportvereins sollte von sportlichen erfolgen die rede sein. Vergessen wird darüber oft, daß es Dinge gibt, die den Fußball auf Aasee seit seiner Gründung stärker geprägt haben als alle Aufstiege, Meisterschaften und Pokalgewinne – DIE ASCHE.

Wer Fußball für einen Rasensport hält, kennt ihn entweder nur aus dem Fernsehen oder hatte das Glück, auf dem Land großgeworden zu sein, in Hohenholte, Amelsbüren oder Westbevern. Richtiger Fußball wird jedoch nicht auf saftigem Grün, sondern auf trockener Asche gespielt, auf 100x60 Meter harten, unerbittlichem Beton.

Fußball auf Asche ist Fußball mit Niveau. Auf Rasen ist ein Fallrückzieher problemlos, auf Asche wird er zur orthopädischen Meisterleistung, auf Rasen grätscht jeder, auf Asche nur Helden. Für Torhüter auf Rasen ist entscheidend, daß sie richtig abheben, Torhüter auf Asche müssen auch noch an die Landung denken. Wer auf Rasen gefoult wird, fällt weich, wer auf Asche gefoult wird, braucht sich über die Gestaltung seines Feierabends keine Gedanken mehr zu machen.

Asche formt Spielerpersönlichkeiten, Rasen hingegen saft- und kraftlose Spielertypen wie Wiggerl Kögl und Pierre Littbarski. Asche macht Fußball zum Abenteuer, Rasen zum besseren Schachspiel.
Rasen ist Rasen, immer grün, immer mit Halmen, neuerdings sogar mit Drainage und Heizung (!). Asche hingegen lebt, verändert sich, ist aktiver Teil der Natur. In der Sonne bei 40° hart und staubig, bei Regen tief und matschig, im Sommer stumpf und trocken, bei Schnee und Eis glatt und morastig.
Auf Rasen grasen Kühe und Schafe, wächst Unkraut, graben Maulwürfe häßliche Hügel. Auf Asche wächst nichts und bewegt sich nichts, Asche genügt sich selbst.

Zuweilen wird behauptet, Asche schade der Gesundheit. Unsinn! Gesundheit schadet der Asche. Nur wer gesunde Knie, gerade Rücken, straffe Bänder hat, empfindet beim Spiel auf Asche Unwohlsein. Wer hingegen Knie ohne Kreuzbänder, krumme Rücken und Schürfwunden aufweist, dem schaden auch 90 Minuten auf Asche nicht mehr.
Rasen ist Biologie, Asche ist Religion. Aus Asche bist du, und zur Asche kehrst du zurück.

Bernhard Santel