Der Aaseher Dezember 1991
Der Aaseher Dezember 1991 - Ausgewählte Beiträge


Künstlerische Bewegtheit


Ansichten eines Außenstehenden


Ein Fest, eine Woche und eine Menge Spaß
  20 Jahre Blau-Weiß Aasee




Künstlerische Bewegtheit

Wenn ich von einem AASEH-ER-Leser gefragt würde, wer ich eigentlich sei, würde ich ihm antworten, daß ich derjenige bin, der den Ausgaben des AASEH-ERS seit etwa einem Jahr ein Emblem für das Titelblatt verschafft hat. Weiterhin wäre für sie/ihn noch interessant, daß ich dem Verein leider nicht angehöre, mein Bezug zum Sport relativ gering ist und daß es mir auf der diesjährigen Fete, zu der ich auch eingeladen war, ganz gut gefallen hat. Ich würde auch noch erzählen können, daß ich an die regenerative Wirkung körperlicher Betätigung glaube, daß ich aber für ein geregeltes Vereinsleben nicht der richtige Mann wäre.

Meine Beziehung zu Bewegung ist eine andere. Nicht nur unbedingt die körperlich erfahrbare (ich jogge mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit ein paar Kilometer), sondern vor allem – und jetzt kommt der Künstler in mir durch – indem ich bewegte Bilder male und Lebendigkeit, ständiges Hin und Her von Pinselstrich und Farbe in meinen Bildern als wichtige Bestandteile betrachte. Für die meisten Menschen mag sich ein solcher Gedankengang gestelzt anhören und sie an schreckliche Schulaufsätze zum Thema Bildinterpretation in der 10. Klasse erinnern.
Nicht vorschnell geschaltet! Bewegung und Kunst haben viel miteinander zu tun. Selbst bei weniger körperlich anstrengender Kunst als der Bildhauerei gehört zum Prozeß des Machens immer auch Bewegung, Anstrengung und nachher Muskelkater unmittelbar dazu.

Meine Bilder sind meist relativ groß. Malen heißt damit auch, ein Format von sagen wir 200 x 150 cm zu bewältigen. Das Malen an oberen Bildpartien bedarf einer erheblichen Streckung des ganzen Körpers. Weil man einigermaßen vorsichtig zu Werke gehen muß, um keine Patzer ins Bild zu setzen, muß man den Körper in Anspannung halten, vielleicht unterstützend den Atem anhalten und in dieser Position das Gleichgewicht bewahren, um nicht ins frisch Gemalte hineinzustolpern. Der nächste Schritt ist, zur Kontrolle, ob der Strich gesessen hat, bei diesen Formaten etwa 5 bis 7 Meter zurückzutreten, um in einer geeigneten Distanz den eben gemachten Strich im Zusammenhang des Bildes zu begutachten. Das Vor- und Zurücktreten beim Malen ist also ein ganz entscheidender Bewegungsablauf, der alle paar Striche vorkommt und den gesamten Malprozeß eines Bildes begleitet, von der Skizze zum letzten Strich.

Ein weiterer gedanklicher Aspekt in diesem Zusammenhang ist sicherlich das Malen mit breiteren Pinseln. Zum einen wird die Distanzkontrolle wesentlich wichtiger, da breite Striche erst in der Entfernung wirken (besonders wenn wir annehmen, daß ich ein „realistischer Maler“ bin) und sie erst so ihre wirklichkeitsnahe Bedeutung verraten – von nahem wirkt so ein Strich meist nur als abstrakter Klecks, mit der Entfernung sieht man seine Wirkung –, daher erhöht sich die gelaufene Strecke pro gemaltes Bild erheblich. Zum anderen wird durch das Malen mit breitem Pinsel ein anderes Körpergefühl aktiviert. Das Malen gleicht besonders bei Formaten dieser Größe dann einem Ringkampf, da breite Pinselstriche auch eine gewisse Länge haben sollen. Wenn es beim Gebrauch von schmaleren Pinseln eher die Farbfelder sind, die in ihrem Wechselspiel das Bild beherrschen und ihm Lebendigkeit verleihen, so sind Bilder, die mit breiteren Pinseln gemalt wurden, dominiert von der Tragkraft der Lebendigkeit der Striche, die in lebendiger Wechselwirkung zueinander stehen. Nun stelle man sich vor, auf das Bild breite Striche von erheblicher Länge setzen zu müssen, die nicht zaghaft sein sollen, damit Kraft und Lebendigkeit des Malens sich auf die Ausstrahlung des Bildes übertragen kann. Wie beim Jazz-dance ist es wichtig, Bewegungen auszuleben, sich seiner Bewegung sicher zu sein, selbstbewußt und selbstverständlich einen Bewegungsablauf durchzuziehen.

Doch nicht kopflos! Wie beim Spiel, das in seinem taktischen Aufbau überzeugen muß, damit es zum Torerfolg führen kann, muß auch ein Bild geplant und Zug um Zug analysiert werden, ohne daß die Lebendigkeit und Spontaneität darunter leidet, die dem Bild die Überzeugungskraft und Geschlossenheit verleiht.
Ein Bild friert diese Bewegungsabläufe ein, doch der Prozeß des Malens kann wieder herausgelesen werden, indem wir dem Verlauf der Striche folgen, ihr Hin und Her und Ineinanderschachteln nachvollziehen. Man kann sagen, daß lebendige und bewegte Striche auf ein lebendiges und bewegtes Malen schließen lassen, das Anstrengung und Ehrgeiz gekostet hat.

Auf einen gemeinsamen Muskelkater!
Rainald Papen


Ansichten eines Außenstehenden

Vorweg: Ich war nur fünf Monate für Blau-Weiß Aasee tätig. Der erste Kontakt kam über die na dann: Aufstiegswütiger C-Kreisligist sucht engagierten Trainer, der einen Ball stoppen kann. So oder ähnlich war da zu lesen. Das mit dem Ballstoppen hatte ich lange nicht mehr probiert. Aber C-Liga? Wollte ich das? Erst mal anrufen.

„Domin“. „Ja. Guten Tag. Sie suchen einen Trainer?“
„Jaha, aber haben Sie das schon mal gemacht?“
Natürlich hatte ich und ratterte in zwei Sekunden meine Referenzliste runter.
Noch drei, vier fachliche Fangfragen von meinem Gesprächspartner, dann der obligatorische Vorstellungstermin. Im Vereinslokal saß mir ein mit allen Ölen des Fußballs gesalbtes Gremium kritisch gegenüber. Meine feuchten Hände hielt ich unter dem Tisch. Ergebnis: „Wir müssen noch mit einem anderen Bewerber reden.“

Gespanntes Warten bei mir. Nach endlosen Stunden, Tagen (oder waren es Wochen?) klingelte mein Telefon. „Wir haben uns für Sie entschieden. Nächsten Dienstag ist Training.“ Ich springe kurz vorher noch in ein Sportgeschäft (der erste Eindruck …). Dann stehen sie vor mir: Ein bunter Haufen mehr oder weniger junger Männer, hungrige Augen, stramme Waden. Lernwillig, aber zu lieb. Ich will es kurz machen: Wir sind zusammengewachsen. Der Aufstieg wurde mit dem Umweg über einen grünen Tisch und ein Entscheidungsspiel Realität. Riesige Stimmung, zwei Flaschen Bier und Pizza ohne Ende. Und wehmütiger Abschied. Ruhmestaten dieser Größenordnung bleiben nicht ohne Echo. Ich durfte im Jahr darauf einen Bezirksligisten betreuen. Und jetzt kommts: Erst da habe ich gemerkt, was ich verloren hatte. Hier entspanntes, ja familiäres Miteinander. Dort Tretminen überall, Druck, Rechtfertigung.

Ich bin kein Trainer mehr. Mir fehlt im Augenblick die Motivation. Mir fehlt vor allem das, was ich bei Bw Aasee vorfand: Ein Umfeld, in dem sich jeder wohlfühlen kann. Wo gegenseitiger Respekt keine Floskel ist. Wo ernsthafte Gespräche und Ausgelassenheit sich nicht ausschließen. Wo Geld chronisch knapp ist, und dennoch so reiche Begegnungen möglich sind. Und wo vor allem eine Integrationsfigur erster Güte den Laden zusammenhält (Hallo Hugo, wo bleibt das versprochene Abendessen?).

Ich wünsche mir, daß Sportvereine wie BW Aasee angesichts zunehmender Abgrenzung gegenüber Ausländern löchrig genug sind, diesen Menschen ein Stück (verlorene) Heimat und Aufgehobensein zu vermitteln. Stell dir vor, neben Andreas, Norbert und Udo spielen Igor, Pavel und Ismael, und alle haben Spaß dabei!

Danke für eine schöne Zeit.

Werner Bußmann

 

20 Jahre Blau-Weiß Aasee

Ein Fest, eine Woche und eine Menge Spaß

20 Jahre Blau-Weiß Aasee: Ein Rückblick auf das Jubiläum
Das 20.-jährige Vereinsjubiläum von Blau-Weiß Aasee hatte zwei Höhepunkte. Zum einen die Sportwoche, zum zweiten der Jubiläumsabend in der Aula der Stephanusschule. Das Ziel der Sportwoche war, allen Mitgliedern und sonstigen Interessierten die Chance zu geben, an einem Abend die Aktivitäten der anderen Vereinsabteilungen kennenzulernen. Fußballer sollten für einige Stunden Volleyball und Badmintonspieler Tischtennis spielen.
 
Ein zu hoher Anspruch für die Sportwoche?

So sehr überzeugend diese „integrative“ Idee gewesen ist, so wenig überzeugend war ihre Durchführung. Zumeist blieben die Aktiven der einzelnen Abteilungen unter sich, da sich leider nur wenige Interessierte anderer Sportsparten beteiligten. Hier hätte man sich auch in Anbetracht der organisatorischen Vorbereitungen mehr Bereitschaft zur Teilnahme gewünscht.

Ja, mach nur einen Plan … Highlights nur für einige. Dennoch:

Hervorzuheben ist indes das Fußballturnier, welches die drei aktuellen Mannschaften von Blau-Weiß zusammenführte mit den Veteranenteams aus einer sportlich erfolgreichen Vergangenheit. Überraschende Ergebnisse, gut zu essen und zu trinken; das Turnier war ein voller Erfolg.

Der zweite Höhepunkt des Vereinsjubiläums war das Fest in der Aula der Stephanusschule. Oberbürgermeister Twenhöven schaute herein, Bürgermeisterin Tüns hielt eine Begrüßungsrede, Karl-Heinz Volkerts versicherte uns seiner Unterstützung beim Erhalt der Pavillons. Es besteht begründete Zuversicht, daß Blau-Weiß Aasee diese Räume auch weiterhin nutzen kann.

Gute Worte von hoher Stelle zu einem besonderen Zeitpunkt

Herausragend und charakteristisch für das Vereinsimage war, daß der Abend nicht dominiert wurde von krachlederner Bierseligkeit, sondern von afrikanischen Rhythmen und Tänzen der African-Dance-Formation „Mutuashi“. Ihr engagierter und kreativer Tanz sorgte für gute Stimmung und Ovationen.

Der etwas andere Verein machte natürlich auch ein etwas anderes Fest

Zusammenfassend soll all jenen gedankt werden, die die Sportwoche und den Jubiläumsabend organisierten.
Es bleibt zu hoffen, daß Blau-Weiß Aasee auch die nächsten 20 Jahre so jugendlich bleiben wird wie bisher.

Bernhard Santel