Der Aaseher Mai 1992
Der Aaseher Mai 1992 - Ausgewählte Beiträge


Das alte Buch neu entdecken
  „Jahr mit der Bibel 1992“

Kinderboom beim Volleyball
  BWA – Talentschmiede für den USC?

Möller zu Aasee?

Jupp, der Mythos

Fußball und Familie
  Eine Betroffene kommt zu Wort

Die Bibel am Aasee

Wer in letzter Zeit ahnungslos über den Aaseemarkt schlenderte, wird sich vielleicht gefragt haben: Was machne die Bibeln in den Schaufenstern? Eine neue Verkaufsstrategie? Die meisten wissen natürlich längst bescheid: Das hat was mit dem Jahr der Bibel zu tun.
Was es genauer mit dem Jahr der Bibel auf sich hat und was im Aaseeviertel läuft, hat uns Martin Mustroph, Pfarrer der Jakobus-Gemeinde, die übrigens in direkter Nachbarschaft zum Aaseesportplatz liegt, auf den folgenden Seiten ge- und beschrieben.

Das alte Buch neu entdecken

„Jahr mit der Bibel 1992“

„Mehr als ein Buch“ - unter diesem Motto steht ein bisher einmaliges Großprojekt, an dem sich alle Kirchen in Deutschland und Österreich beteiligen: das Jahr mit der Bibel. Mit phantasievollen Aktionen auf lokaler und überregionaler Ebene wird für das „Buch der Bücher“ geworben.

Immer noch hält die Bibel Platz eins auf der Welt-Bestseller-Liste. In mehr als 1900 Sprachen ist sie übersetzt. Über 70 Prozent aller deutschen Haushalte dürfte eine Bibel besitzen. Aber wird sie auch gelesen? Bei vielen Menschen - auch bei Ihnen? - verstaubt sie unbenutzt im Bücherregal. Dabei ist die Bibel nicht nur für Christen von grundlegender Bedeutung, sondern auch für den, der mit der Kirche nichts mehr am Hut hat: Ohne eine gewisse Bibelkenntnis sind Geschichte und Kultur des Abendlandes nicht zu verstehen.

Bibelzug und Bibelschiff

Im „Bibelmagazin“, einer flott aufgemachten Broschüre, die auf die Bibel neugierig machen will, antworten Prominente aus Kultur, Politik und Sport auf die Frage „Warum ist die Bibel für Sie mehr als ein Buch?“ Für den Sänger Peter Horton ist sie „ein Schlüssel zum Überleben“ und der Fußballprofi Stefan Kuntz findet in ihr „Hilfe für alle Lebenslagen“. Die TV-Moderatorin Petra Schürmann gibt zu bedenken: „Hätten wir besser auf die Bibel gehört, wäre der Menschheit im Lauf der Geschichte manches erspart geblieben.“ Und der Liedermacher Wolf Biermann zieht das kernige Fazit: „Man muß die Bibel gefressen haben und immer wieder fressen.“
Beim Versuch, auf die Bibel aufmerksam zu machen, werden in diesem Jahr alle Register gezogen. Ein umgestalteter Gesellschaftswagen der Bundesbahn rollt als Bibelzug beladen mit Bibel-Computer, Video-Station, Bistro-Ecke u.s.w. durch die Lande. Zwei Bibelschiffe werden in Hafenstädten an Elbe und Rhein durch Ausstellungen, Filme und Workshops die Bibel ins Gespräch bringen.
Bibel-Quiz-Shows im Fernsehen, Erlebnisausstellungen, Sportler und Bibel … man hat sich einiges einfallen lassen.

Bibel-Treffpunkt Aaseestadt

Auch im „Bibel-Treffpunkt Aaseestadt“, der von der ev. Jakobus- und der kath. Stephanusgemeinde veranstaltet wird, gibt es eine ganze Reihe origineller Aktionen. „Ein Fest rund um die Bibel“ mit einem bunten Programm aus Musik und Talkshow, Spiel und Information, Bibelquiz und koscherem Essen, Bibelkino und Bibelausstellung wurde im Januar im ev. Gemeindehaus gefeiert. An den Seminarabenden mit dem Neutestamentler Professor Dr. Willi Marxsen war Bereitschaft zum Mitdenken gefragt. Marxsen verstand es, den 90-120 Besuchern pro Abend lebendig und fesselnd aus der „Werkstatt eines Bibelwissenschaftlers“ zu berichten. Eine ungewöhnliche Ausstellung belebte für zwei Wochen den Aaseemarkt. Rund 200 Bibeln aus vier Jahrhunderten, die von Bewohnern der Aaseestadt zur Verfügung gestellt worden waren, warne in den Schaufenstern der Geschäfte und Banken zu sehen. Bis Ostern läuft in der Jakobuskirche die sehenswerte Ausstellung „Die Passion Jesu in der polnischen Volkskunst“ (So 11.00-12.30, Di-Sa 16.00-18.00 Uhr).
Vielleicht haben auch Sie Lust bekommen, am „Bibel-Treffpunkt Aaseestadt“ teilzunehmen? In einer zehnteiligen Vortragsreihe von Mai bis November soll die Bibel von verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet werden. Zu Wort kommen der Musiker und der Kunstgeschichtler, der Pädagoge und der Bibelwissenschaftler, der Pfarrer und der Rabbiner. Was sonst noch für Kinder und Erwachsene angeboten wird, können Sie dem Programmheft entnehmen, das Ihnen das ev. (Tel. 74077) oder das kath. (73523) Pfarrbüro gerne zusenden.
Aber vielleicht verlassen Sie nicht gern Ihr Haus. Auch dann können Sie sich beteiligen, nämlich an der Aktion „Schreib mit an der Bibel!“ Wir suchen noch einige Hundert Menschen, die bereit sind, ein Kapitel der Bibel mit der Hand abzuschreiben. Ob es uns bis zum Ende des Jahres gelingt, eine vollständige Bibelhandschrift für die Aaseestadt zu erstellen? Lassen auch Sie sich im Pfarrbüro ein Kapitel und Schreibpapier gebe!
Wie antwortete doch Bert Brecht auf die Frage nach seiner Lieblingslektüre? „… Sie werden lachen - die Bibel!“

Martin Mustroph

Kinderboom beim Volleyball

BWA – Talentschmiede für den USC?

Regelmäßig donnerstagsabends erscheint ein völlig erschöpfter Michael Wilmsen beim Fußballtraining. Grund dafür, daß er dann ungewohnt oft die Bälle aus dem Netz holen muß, sind etwa 25 Mädchen und Jungen, die lernen wollen, wie man einen Ball über das Netz spielt. Zu diesem Zweck konnte BWA neben „Co-Trainer“ Wilmsen eine professionelle Kraft verpflichten: Niemand anders als Uta Schrade, Volleyball-Bundesligaspielerin vom USC erklärte sich bereit, einen 10-wöchigen Einführungskurs ins Volleyballspiel für Kinder zwischen acht und zwölf zu geben. Die Kursgebühr von 25 DM pro Kopf für die ganze Einheit schreckte niemanden ab. Im Gegenteil: Bundesligaprofis „zum Anfassen“ mögen die Kinder. Sie haben auch schnell gelernt. Sofort erklärten sie sich bereit, mir Autogramme zu geben.

Spaß scheint die Sache allen Beteiligten zu machen. Die Kinder waren fleißig dabei und beide Trainer sind gewillt, einen fortführenden „Aufbaukurs“ durchzuführen (Beginn nach Ostern).
Uta Schrade, die soetwas in dieser Form auch zum ersten Mal macht, räumte zwar ein, daß es mitunter ganz schön stressig sei - bei über zwanzig Kindern kann man nicht so sehr auf die einzelnen eingehen, wie man wohl möchte und auch ein richtiges Volleyballspiel ist bei der Menge in der kleinen Matthias-Claudius-Schule kaum möglich. Aber es scheint ihr zu gefallen. Solange es den Kindern Freude macht, will auch sie weitermachen.

Die Meinung der Kinder zu den Übungen selbst war geteilt. Ein Mädchen meinte, es sei mehr Aufwärmen als Volleyball, ein Junge dagegen fand diese Übungen zu Anfang gerade besonders gut und ein dritter fand die Spiele am Schluß am besten. Aber vom „Bälle kaputthaun“, wie ein Junge mir gleich zu Anfang seine Intention lauthals mitteilte, war dann doch nichts zu sehen.
Ralf Seidel

Möller zu Aasee?

Das Rätselraten um Andreas Möller geht weiter. Nach Juventus Turin und dem durch die FIFA geschaßten Atalanta Bergamo meldet nun auch der Münsteraner B-Ligist Blau-Weiß Aasee Anrechte auf den Mittelfeldstar an.

Wie der Pressesprecher mitteilte, hat der Verein ebenfalls eine Option mit Unterschrift des umstrittenen Spielers vorliegen. Möller selbst erklärte auf Befragung: „Ich habe den Namen des Vereins noch nie gehört. In Münster war ich nur einmal bei einer Autogrammstunde bei Karstadt und gab dort etwa 5 Autogramme. Langsam bin ich das Hickhack um meine Person leid. Vielleicht lasse ich mich reamateurisieren und gehe doch zu … wie hieß der nochmal?“

Noch ist also nicht geklärt, wie Möller eine vierte Unterschrift geben konnte. Sollte etwa einer der Vereinsverantwortlichen zufällig bei Karstadt gewesen sein? Die FIFA muß also erneut entscheiden. Nichtsdestotrotz wäre es für den Verein und den heimischen Fußball eine Bereicherung, wenn der Andi demnächst auf dem Aaseesportplatz oder in Westbevern seinen Turbo einschaltete. Auch Berti Vogts dürfte dann zufrieden sein. Das Ende der vertragslosen Zeit und der bekannt rauhe Wind in der Kreisliga B (und später höher?) würden Möller reifen lassen für große Aufgaben wie die Stadtmeisterschaft Münster in der Halle und die WM USA 94 …


Jupp, der Mythos

Wer an die besten Fußballer der Geschichte und Gegenwart denkt, nennt im allgemeinen die nachfolgenden Personen: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Pele, Andy Möller, Olaf Thon, Thomas Häßler, Diego Maradona, Rudi Völler, Paul Gascoigne, Michel Platini und Jupp Kohlen. Ganze Legionen von Sportbegeisterten streiten darum, wer von ihnen denn nun der beste ist, wem die Fußballkrone gehört. Der Streit ist jedoch überflüssig, denn es kann auf die Frage nur eine Antwort geben:
Jupp Kohlen!

Die Gründe für diese Einschätzung sind vielfältig. Einige wenige, die Jupp Kohlen aus der Masse der Fußballer herausragen lassen, seien genannt:
Erstes, er ist jünger als Franz Beckenbauer.
Zweitens, er trinkt weniger als Gerd Müller.
Drittens, er ist größer als Thomas Häßler.
Viertens, er ist zwar mindestens so gesprächig wie Rudi Völler, beginnt aber nicht jeden Satz mit „ja gut“.
Fünftens, er wechselt trotz guter Angebote nicht ins Ausland wie Andy Möller.
Sechstens, er ist intelligenter als Olaf Thon und siebtens und entscheidend, er spielt anders als alle oben genannten Spieler nicht irgendwo, sondern bei Blau-Weiß Aasee.

Nun ist das Gerücht aufgekommen, daß Jupp Kohlen den Verein verlassen will, um sich auf seinem Landsitz in Frankreich zur Ruhe zu setzen. Josef, tu uns das nicht an! Bleibe uns und dem Deutschen Fußball erhalten. Immerhin kannst du in dieser Saison zum ersten Mal Torschützenkönig werden, du mußt dich auch nicht mehr so viel bewegen, es reicht, wenn du vom Mittelkreis aus Anweisungen gibst. Josef, der Höhepunkt deiner Karriere ist noch längst nicht erreicht, es warten noch herrliche Spiele auf dich, heiße Duelle gegen Westbevern, Angelmodde, Mladost oder Saxonia. Und zu guterletzt, wir versprechen, daß keine mehr meckert, wenn du in der Kabine wieder mal mehr Flaschen bunkern solltest, als wir Tore geschoßen haben.

Josef, du darfst nicht gehen!

Fußball und Familie

Eine Betroffene kommt zu Wort

Das runde Leder erhitzt nicht nur die Gemüter auf dem Fußballplatz, sondern sorgt auch im sozialen Milieu des häuslichen Miteinanders für manche umstrittene Situation. Frau, Freundin, Kinder sehen sich manchmal ins Abseits gestellt, fühlen sich als 14. „Mann“, der nicht mehr die Chance hat, ins Spiel zu kommen. Dennoch wird dieses Thema in der Öffentlichkeit eher totgeschwiegen als breitgetreten. Der Aaseher hielt es deshalb für angebracht, sich dieses Tabuthemas einmal anzunehmen und hat aus diesem Grunde ein Interview mit Frau Stella Stollenschrauber zum Thema geführt, das etwas Licht in diese Problematik bringen soll.

Aaseher: Frau Stollenschrauber, Sie sind Spielerfrau …

Stollenschrauber: „Spielerfrau“! Wenn ich das Wort schon höre! Entwürdigend. Erstens weiß ich gar nicht, ob man die „Spieler“ als solche überhaupt bezeichnen sollte und zweitens bin ich natürlich in erster Linie die Frau meines Mannes.

Aa.: Äh, ja. Haben Sie sich schon mal ein Fußballspiel angesehen?

St.: Ja, zweimal. Das erste Mal wurde ich sofort als Linienrichterin verpflichtet und beim zweiten Mal sollte ich eine Kiste Bier besorgen, weil irgendein Trottel das vergessen hatte.

Aa.: Als Sie diese Spiele gesehen haben, was ging da in Ihnen vor?

St.: Ich habe gefroren. Besonders nach dem Spiel. Geschlagene zwei Stunden hat es gedauert, bis mein Mann wieder aus der Kabine kam. Da sage noch mal einer, das Spiel dauert 90 Minuten!

Aa.: Frau Stollenschrauber, ich höre aus Ihren Worten Kritik heraus. Würden Sie Ihrem Mann das Fußballspielen lieber verbieten?

St.: Das nicht, er soll sich ruhig austoben. Nur stört es mich manchmal, wenn er tage- und nächtelang verschwunden ist, dann mit glasigem Blick wieder auftaucht und sagt: „Wir hatten noch eine kleine Besprechung.“

Aa.: Es stört Sie also, daß Ihr Mann zuviel in Sachen Fußball unterwegs ist?

St.: Stellen Sie sich das doch einmal vor: Da ruft meinetwegen der Papst an und bittet zu einer Audienz. Und was sagt mein Mann? „Tut mir leid, Sonntag um elf haben wir ein wichtiges Spiel.“

Aa.: Fußball ist Ihrem Mann wichtiger als der Papst?

St.: Solange der nicht beim Training stört, nein.

Aa.: Frau Stollenschrauber, was spielt sich eigentlich so nach einem Spiel ab?

St.: Wahrhafte Tragödien. Mit letzter Kraft rettet sich mein Mann aufs Sofa und fängt erst mal an zu stöhnen: „AAAAAAh, meine Knie.“ Oder: „OOOOh, ich glaube, ich habe eine Adduktorenzerrung.“ Oder: „Eine Grätsche heute nur, aber die ging bis auf den Knochen. Sieh doch mal.“ Und dann muß ich immer die Krankenschwester spielen. Erstaunlich, daß er schon nach zwei Tagen wieder zum Training gehen kann. Oft ist er nach dem Sport so erschöpft, daß er nur noch den Fernseher anschalten kann – um Fußball zu sehen!

Aa.: Sind Sie der Meinung, daß Fußballer zuviel Alkohol trinken?


St.: Ja, aber das liegt wahrscheinlich daran, daß sie besser trinken als fußballspielen können.

Aa.: Im Tennissport ist der Begriff des „Mentalen“ geprägt worden. Ich denke, man kann das auch auf den Bereich des Fußballs übertragen. Was tun Sie für die mentale Stärke Ihres Mannes?


St.: Am liebsten würde ich ihm manchmal seine Fußballschuhe an den Kopf werfen, die er immer rumliegen läßt.

Aa.: Frau Stollenschrauber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.